Heinrich Ehrhardt
hatte es zunächst nicht leicht. In Zella-Mehlis in Thüringen im Jahr 1840 als Sohn eines Büchsenmachers geboren, wurde er schon im Alter von 3 Jahren zum Vollwaisen. Bei seinem Onkel, der ebenfalls handwerklich Gewehre herstellte, kam er unter und erlernte das Büchsenmacherhandwerk und andere Techniken der Metallverarbeitung. Ab 1860 arbeitete er mehrere Jahre in einem Reparaturwerk der Preußischen Staatsbahn und bei der Gewehrmanufaktur Dreyse in Sömmerda. 1864 wurde er bei der renommierten Firma Hartmann in Chemnitz angestellt, die für ihre leistungsfähigen Lokomotiven schon weltbekannt war. Mindestens 128 Patente sind in Deutschland von ihm angemeldet worden. Er gründete 1878 eine Metallwaren- und Waffenfabrik in Zella-Mehlis, 1889 die Rheinische Metallwaren- und Maschinenfabrik AG in Düsseldorf (Rheinmetall), 1896 die Fahrzeugfabrik Eisenach AG und 1903 die Erhardt-Automobil AG in Zella-Mehlis. Erhardt produzierte von Anfang an auch für das Militär. Nach Versuchen mit einem „Kutschierwagen“ mit Motor „System Benz“ hatte der „Wartburg-Motorwagen“ ab 1898 nach einer Lizenz von Decauville großen Erfolg. Die sehr leichten Wagen mit Zweizylindermotoren die zunächst luft- und später wassergekühlt waren, hatte ein Zweiganggetriebe und zunächst 4 oder 5 PS. Ab der Jahrhundertwende wurden auch Fahrräder, Motorräder und Elektrowagen hergestellt. 1902 kam das erste Vierzylindermodell heraus. Die Wagen waren erfolgreich bei vielen Motorsportveranstaltungen und bald bekannt für ihre Qualität und Zuverlässigkeit. Auch wirtschaftlich stellte sich Erfolg ein. Die Aktien der Gesellschaft stiegen und man zahlte bis zu 14 Prozent Dividende. Heinrich Erhardt schied im Jahr 1904 aus der Firma aus, nachdem er sich gegenüber den Banken mit seiner Forderung nach weniger Gewinnabschöpfung zugunsten höherer Investitionen nicht durchsetzen konnte.

Wartburg Motorwagen Typ II Baujahr 1899 in der Automobilen Welt in Eisenach

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Dixi SM 15 Lieferwagen Baujahr 1909, Modell Max Krätzer, VEB Modellkonstrukt Leipzig

DIXI R8 Phaeton 6/14 PS Baujahr 1910 in der Automobilen Welt in Eisenach

Motor des R8 in der Automobilen Welt in Eisenach

Dixi
Die Firma stellte nun Willy Seck als Konstrukteur ein und schuf die neue Marke „Dixi“. Bis zum Ersten Weltkrieg 1914 wurden über 20 neue Modelle mit 7 bis 75 PS Leistung hergestellt. Die jährliche Stückzahl betrug etwa 300 bis 400 Stück. Nach dem Krieg fertigte man vor allem Vierzylinderwagen mit 1300 und 1600 ccm, war erfolgreich im Motorsport, siegte beispielsweise 1922 auf der Avus mit dem Werksfahrer Gebser vor Caracciola. Doch „Dixi“ war nun nur noch eine Marke, denn die Automobilfabrik war 1921 von der Gothaer Waggonfabrik AG übernommen worden. Diese Firma hatte nicht nur Wagons und Strassenbahnen, sondern im Krieg vor allem Bomber hergestellt. „The Gothas“ waren die ersten Bomber die über den Ärmelkanal flogen. Nach dem „Versailler Vertrag“ musste die Flugzeugproduktion eingestellt werden und die finanziell nach wie vor gut aufgestellte Firma hatte sich nach einem neuen Tätigkeitsbereich umgesehen – dem Automobilbau. Mit den neuen finanziellen Möglichkeiten wurde die Modellpalette größer. Man stellte nun auch LKW, Busse, Anhänger, Motorspritzen, Motorpflüge und stationäre Motoren her. Ein Teil der Produktion wurde 1924 nach Gotha verlegt, da das Werk in Eisenach die Nachfrage kaum noch erfüllen konnte. Zur Automobilausstellung 1923 wurde ein Dixi-Wagen mit Stromlinienkarosserie und halbautomatischem Getriebe vorgestellt. Das Auto fuhr mit seinem kleinen Motor 20 km/h schneller als das Fahrgestell mit herkömmlicher Karosse. Der Wagen war aber mit seinem „schockierendem“ Aussehen der Zeit zu sehr voraus und fand kaum Käufer.

DIXI R9 8/21 Limousine Baujahr 1912 in der Automobilen Welt in Eisenach

Stehende Ventile des seitengesteuerten Motors des R9 in der Automobilen Welt in Eisenach

Jakob Schapiro und die Inflation
Die technischen Entwicklungen sind die eine, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eine andere Seite der Industriegeschichte. Die eigentlich eher ungünstigen wirtschaftlichen Bedingungen der Inflation nutzte Jakob Schapiro, indem er Autos in großen Stückzahlen kaufte und mit Wechseln bezahlte. Bis diese Wechsel zur Zahlung vorgelegt wurden, hatten sie infolge der Inflation sehr an Wert verloren. Auf rechtlich legalen Weg kosteten Schapiro die unzähligen Wagen, die er für seine Firmengeflechte erwarb, durch die Geldentwertung nur einen Teil der Herstellungskosten. Schon 1922 war Schapiro durch die riesigen Gewinne Hauptaktionär von Benz & Cie, sowie der Daimler-Motoren-Gesellschaft. Er besaß u.a. große Anteile an Protos, Schebera, NAG, NSU, Hansa-Lloyd, Dixi und Cyclon. So war de facto eine Art Automobilkonzern entstanden und Schapiro, der vorher lange Zeit Geschäftsführer des Karosseriebauers Schebera war, wollte insgesamt die Modellpalette bereinigen und koordinieren. So wurde nun eine Konstruktion der Cyclon-Werke Berlin in Eisenach als Dixi 9/40 PS gebaut und die Produktion der meisten anderen Typen eingestellt. Der deutschen Regierung gelang es im Jahr 1924 die Inflation durch Einführung der Rentenmark zu stoppen. Das System mit der Wechselfinanzierung funktionierte nicht mehr und Schapiros Imperium brach zusammen. Benz und Daimler konnten nur durch eine Fusion überleben. Durch Verkauf von Aktien beider Unternehmen blieb Schapiro noch „flüssig“.

Austin Seven in der Automobilen Welt in Eisenach

Austin Seven Roadster beim ADMV Classic Cup in Köthen

DIXI DA 1  3/15 PS Baujahr 1928 in der Automobilen Welt in Eisenach

Dixi DA 1 bei der „Via Regia“ in Markranstädt, 2013

Video Dixi bei der „Curbici Veterano“ 2009 in Zörbig

BMW-Ihle Roadster beim Bergrennen in Ziegenrück, 2014

Dixi DA 1 in Lizenz des Austin „Seven“
Jakob Schapiro war wie viele von der Idee des „Volksautos“ angetan, setzte aber nicht auf eine eigene Entwicklung, sondern erwarb die Lizenz für den Austin „Seven“ Der kleine Wagen entwickelte aus 750 ccm eine Leistung von 15 PS, wurde bereits seit 1922 in Birmingham gebaut und war sehr erfolgreich. Das Werk in Eisenach wurde nun für die Produktion einer größeren Serie des Kleinwagens umgebaut. Schon im ersten Produktionsjahr 1928 wurden 6743 des Dixi DA 1 gebaut. Insgesamt wurden vom kleinen „Dixi“ bis 1932 25.365 Stück verkauft, ebensoviele, wie von allen anderen Modellen bis dahin aus Eisenach.

Übernahme des Werkes durch BMW
Seit dem 14. November 1928 wurden der Dixi DA 1 als BMW 3/15 angeboten, da die BMW AG die Eisenacher Fahrzeugfabrik gekauft hatten.

BMW Vorgeschichte:            Teil 1 (Rapp 1912 – 1923)        Teil 2 (Otto 1909 – 1923)

BMW Automobile (1928 – 1945)

BMW Motorräder (1923 – 1945)

BMW Rüstungsproduktion

Geschichte des Eisenacher Fahrzeugbaus ab 1945

Quellen; Paul Gränz, Peter Kirchberg, Ahnen unserer Autos, Transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin, 1975
              Horst Ihling, Autorennsport in der DDR, Bild und Heimat Verlag, Reichenbach, 2013
                Christian Pierer, Die Bayrischen Motorenwerke bis 1933, Oldenbourg Verlag, München, 2011
              Juraj Porázik, Motorräder aus den Jahren 1885 bis 1940, Verlag Slovart, 1983