Gustav Otto Flugmaschinenwerke
Nachdem der Sohn des „Erfinders“ des Viertaktmotors gemeinsam mit einem Companion im Jahr 1909 in München die Aeroplanbau Otto & Alberti gegründet hatte, firmierte er im Jahr 1911 in Gustav Otto Flugmaschinenwerke um. Die Firma verkaufte hauptsächlich Flugzeuge der französischen Firma Bleriot sowie der Firma Aviatik. Man baute aber auch den Farman-Doppeldecker nach und der schweizer Konstrukteur August Haefeli entwickelte einen Doppeldecker mit Druckpropeller, der hinter der Pilotenkanzel angebracht war. Diese Typen wurden unter der Bezeichnung AGO I bis AGO III, meist mit Benz-Motoren von zunächst 150 und später bis 220 PS ausgestattet, auch in den AGO-Werken in Oschersleben gebaut. AGO steht für Aviatiker Gustav Otto und war eine Tochterfirma der Münchener Fabrik. Nach den ersten Luftkämpfen erwiesen sich die Apparate aber als zu langsam und wurden hauptsächlich als Aufklärer und Schulflugzeuge eingesetzt. Man konnte 13 Doppeldecker an die bulgarische Luftwaffe liefern, wo sie gegen Mazedonien eingesetzt wurden. Im Krieg versuchte man auch eine Zusammenarbeit mit den Rapp-Motorenwerken. Diese Entwicklung war aber kein Erfolg. Dann baute man einige Flugzeuge C.I  in Lizenz der B. II der Albatros Flugzeugwerke Johannisthal (bei Berlin) meist mit Argus-Motor 160 PS, meldete aber letztendlich 1916 Konkurs an. Die Firma wurde nun in Bayrische Flugzeugwerke umbenannt. Nach dem Vertrag von Versailles durfte man praktisch keine Flugzeuge mehr herstellen. 

Otto-Werke GmbH
Gustav Otto schied aus und gründete 1918 in München die Otto-Werke GmbH und stellte zunächst Fahrradhilfsmotoren „Flottweg“ und Motorräder u.a. „Flink“ her. Durch die Inflation fanden sie aber nur wenige Käufer. Nach weiteren Misserfolgen und Krankheit beging Gustav Otto am 28. 2. 1926 Selbstmord.

Das „Helios-Motorrad“ mit dem „Bayern-Motor“ aus den Bayrischen Flugzeugwerken
Schon ab 1917 arbeitete Martin Stolle an der Seite von Max Friz bei den Rapp-Motorenwerken. Stolle war maßgeblich an der Entwicklung eines leichten transportablen Motors als Aggregat für Pumpen, Ventilatoren und Generatoren beteiligt. Der luftgekühlte Zweizylinder-Viertakt-Boxermotor M 2 B 15 mit 500 ccm und 6,5 PS sah dem Motor der späteren R 32, aber auch dem Modell der Douglas Ltd. Bristol aus dem Jahr 1913 verblüffend ähnlich. Die Bayrischen Flugzeugwerke lieferten ab 1919 den „Bayernmotor“ an Motorradfirmen wie Victoria, Bison, SMW und Otto. Die formschöne Victoria KR 1 aus Nürnberg war von all den Fabrikaten das Modell, welches mit diesem Motor am bekanntesten wurde. In all diesen Modellen wurde der „Bayern-Motor“ längs eingebaut, das heißt, ein Zylinder zeigt in Fahrtrichtung, der andere nach hinten. Das schöne Motorrad der Mars-Werke AG Nürnberg tat dies genau so mit dem stärkeren Maybach-Zweizylinder-Boxer. Dann kaufte man viele Zulieferteile ein und stellte mit diesem Motor und Konzept in den Flugzeugwerken in München das Motorrad „Helios“ her.

Castiglionis neue Firma – BMW AG
Im Jahr 1922 stieg der Industrielle Camillo Castiglioni in die Firma ein und brachte den Motorenbau und den Namen der Bayrischen Motorenwerke AG mit, die ab diesem Zeitpunkt umfirmiert zur Südbremse AG nur noch grobe Technik für die Reichsbahn fabrizieren durfte. Max Friz konstruierte nun ein neues Motorrad, indem er den Motor der Helios um 90 Grad drehte und das Hinterrad mit einer Kardanwelle, statt einer Kette antrieb. Dieser neue Typ BMW R 32 wurde am 28. September 1923 auf der Automobilausstellung in Berlin vorgestellt und ist somit sowohl das erste Motorrad, als auch das erste Strassenfahrzeug der verschiedenen Fabriken, die unter BMW firmierten. Erst ab 1928 wurden in der aufgekauften Fahrzeugfabrik Eisenach die ersten Autos der Marke BMW gebaut, der Austin Seven als BMW 3/15 in Lizenz der englischen Firma.

Bayrische Flugzeugwerke
Eine weitere Firma mit dem Namen Bayrische Flugzeugwerke wurde 1923 in Regensburg gegründet und 1938 in Messerschmidt AG umbenannt. 

BMW Vorgeschichte:          Teil 1 (Rapp 1912 – 1923)        Teil 2 (Otto 1909 – 1923)

BMW Automobile (1928 – 1945)

BMW Motorräder (1923 – 1945)

BMW Rüstungsproduktion

Geschichte des Eisenacher Fahrzeugbaus ab 1945

Quellen; Paul Gränz, Peter Kirchberg, Ahnen unserer Autos, Transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin, 1975
               wikipedia/wiki/BMW
               Christian Pierer, Die Bayrischen Motorenwerke bis 1933, Oldenbourg Verlag, München, 2011
               Juraj Porázik, Motorräder aus den Jahren 1885 bis 1940, Verlag Slovart, 1983