Daniel Zimmermann

In seiner kleinen aber feinen Mechanikerwerkstatt in der luckenwalder Ackerstraße 9 reparierte und fertigte Daniel Zimmermann Kurbelwellen. Im Jahr 1951 ging mit dem Fahrer Werner Lehmann ein Formel 3 Rennwagen an den Start, den Zimmermann konstruiert, aufgebaut und mit einem Zweizylinder-Zweitakt-Doppelkolbenmotor mit einer von ihm erdachten „Membrandrehschieber“-Einlaßsteuerung ausgerüstet hatte. Das Fahrzeug war auf Anhieb der schnellste Formel 3 in der DDR und holte den Meistertitel. Wie der Gaswechsel in diesem genialen Motor funktionierte, wussten nur sehr wenige.

Die finanziellen Mittel Zimmermanns reichten nicht für weitere Formel III-Konstruktionen. Neben seinem Kurbelwellen-Service betreute er nun als Mechaniker die Motorrad-Rennfahrer Henkel und Petruschke. Bald bildeten sie das Rennkollektiv ZPH (Zimmermann/Petruscke/Henkel). Motoren der IFA-DKW RT 125 wurden mit seinem „Membrandrehschieber“ ausgerüstet. Die Konstruktion wurde streng geheim gehalten. Trotzdem versuchte Siegfried Rauch vom IFA-Entwicklungswerk sie zu kopieren, kannte aber ihren tatsächlichen Aufbau nicht. Die Membranscheibe Zimmermanns rotierte in einer separaten Kammer mit genau definierten Spiel und dichtete durch Druck, Unterdruck und Ölfilm mal auf der einen mal auf der anderen Seite des Gehäuses ab. Der Motor von Rauch hatte ohne genaue Kenntnis der Details weniger Leistung als die schlitzgesteuerte RT. Schon Kurt Bang hatte in Zschopau mit einem Walzendrehschieber Versuche angestellt, die aber bereits 1950 eingestellt worden waren. Zu Beginn der Saison 1952 wies die Maschine von Bernhard Petruschke noch weitere Veränderungen auf. Eine neue Kurbelwelle mit kürzeren Hub machte den Motor zum Quadrathuber. Der neue Aluzylinder mit Graugußlaufbuchse hatte nun 54 mm Bohrung und zwei Ausßlassöffnungen nach hinten, Merkmale, die bald bezeichnend für die künftigen MZ-Rennmaschinen werden sollten. Als Kurbelwellen-Fachmann fertigte Zimmermann Käfige für die Pleuellager aus Elektron. Der Motor lief nun problemlos 8000 U/min, ein wichtiger Vorteil, denn ab 7000 Umdrehungen bekam die IFA-RT mit ihren Losrollen-Pleuellagern Probleme. Der neue Motor Zimmermanns war erst zum Leipziger Stadtparkrennen fertig und Petruschke siegte dort vor dem iFA-Fahrer Krumpholz auf der Werks-RT und Henkel auf der anderen ZPH mit dem herkömmlichen Zylinder. Beim 3. Meisterschaftslauf war der Zieleinlauf der gleiche; 1. Petruscke, 2. Krumpholz, 3. Henkel. Beim Kyffhäuser-Bergrennen gewann Petruschke nicht nur die Achtelliter-Klasse sondern war zweitschnellster aller Klassen. Nur Edgar Barth auf der 500er BMW war etwas schneller.

DKW IFA RT 125 mit Schlitzsteuerung Saison 1952

 RT 125 mit Plattendrehschieber

Die unter der Leitung von Kurt Kämpf in Zschopau entwickelten Achtelliter-Zweitakter stagnierten mit 9,2 PS bei 7000 U/min. Ein kleiner Privatbetrieb nahm dem Staatsbetrieb IFA die Lorbeeren. Das konnte so nicht weiter gehen. Am Ende der Saison 1952 führten Vertreter der obersten Sportbehörden intensive Gespräche mit Daniel Zimmermann. Man weiß nicht genau, wie die Gespräche abliefen, aber Zimmermann verpflichtete sich, den Aufbau einer 125ccm-Rennmaschine in Zschopau mit all seinen Möglichkeiten zu unterstützen. Das Staatliche Komitee für Körperkultur und Sport traf aber noch weitere Entscheidungen, die den Motorsport im kleinen Land DDR beförderten. Die Entwicklung und der Bau von 15 Rennmaschinen auf Basis der AWO 250 und von 10 Rennmaschinen auf Basis der RT 125 wurden angeordnet und gefördert. Das ließen sich die Konstrukteure in Suhl und Zschopau nicht zweimal sagen.

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Quellen: Woll, Manfred, IFA/MZ-Renngeschichte 1949-1961, HEEL Verlag GmbH, Königswinter, 2001                   Melenk, Wolfgang, Meister des Sports, Der Automobilrennsport in der DDR, Motorbuch Verlag, Stuttgart, 2004