(in Arbeit)

Fabian Rott mit MZ ETS 250/G beim Classic-Enduro in Brehna 2022

MZ ETS 175/250/ G 5

Auf der Basis der Wettbewerbsmodelle, mit dem 1964 und 1965 die Weltmeisterschaften gewonnen werden konnten, wurden ab 1966 in der Lehrwerkstatt von MZ diese in der DDR wohl am meisten verbreiteten  Wettbewerbsmaschinen produziert. Die Fahrgestelle unterschieden sich stark von der Serie. Die Bezeichnung ETS steht für Einzylinder, Telegabel und Schwinge. Hinten behielt man 18 Zoll bei, verwendete aber nun ein Vorderrad mit 21 Zoll. Die Maschinen wogen zunächst 138 kg, wurden aber durch Einführung des Klauenpol-Magnetzünders anstatt Lichtmaschine und Batterie leichter. Die Motoren haben ab da einen sehr flachen rechten LM-Deckel. In der Wettkampfpraxis kamen bald leichtere Tanks und GFK-Kotflügel und andere leichtere Anbauteile zum Einsatz.

Während die fast gleich aussehenden Serientriebwerke 4 Gänge aufwiesen, hatten die Geländemaschinen ein enger abgestuftes, klauen-geschaltetes Fünfganggetriebe. Der Motor hatte eine höhere Verdichtung, andere Steuerzeiten sowie Überströmkanäle und eine Leistung von zunächst 27 und später bis 28,5 PS bei den 250gern. 

Von der ETS 250/G und ETS 250/G-1 wurden 3162 Stück hergestellt. Davon wurden 3042 exportiert. Von der ETS 175/G und ETS 175/G-1 wurden 232 Stück hergestellt. Davon wurden 116 exportiert.  Die im Land verbliebenen gelangten bestimmungsgemäß an aktive Fahrer im ADMV, in den Betriebssportgemeinschaften, dem ASK oder der GST. In Büchern, die es seit einiger Zeit über Motorräder der DDR gibt, finden sich Formulierungen, wie “Für den Normalbürger blieben sie aber unerreichbar…” oder so ähnlich. Richtig ist, dass die die Geländemaschinen vorrangig für die aktiven Sportler gebaut wurden. Es war aber keineswegs unmöglich, als Privatmann eine solche Maschine gebraucht zu erwerben. 

MZ ETS 250 G, Baujahr 1968 Neckermann

Am Motor der “Neckerman-Kleinserie” hier links ist der Kupplungs-Deckel abgenommen und zeigt ein typisches Detail. Die im Ölbad laufende Lamellen-Kupplung ist auf der Kurbelwelle moniert und nicht am durch Stirnradsatz untersetzten Getriebe, wie bei vielen anderen Herstellern. Die Federspannung der Kupplung kann so wegen des geringeren Drehmomentes geringer ausfallen. Diese Triebwerke konnte man mit wenig Kraftaufwand für einige Finger der linken Hand sehr gefühlvoll mit der Kupplung über Steine und Wurzeln bewegen. Im Unterholz hatte der robuste Motor auch schon bei geringeren Drehzahlen genug Kraft. Typisch auch die zwei Zündkerzen. Hatte eine Kerze mal einen “Popel” wurde auf die andere Zündspule umgeschaltet, denn davon gab es auch zwei.

MZ ETS 250 G Baujahr 1968 Enduro-Museum Zschopau

MZ ETS 250 G Baujahr 1968

Die links abgebildete Maschine hat eine interessante Geschichte. Viele Kleinserien-Enduros wurden exportiert. Beispielsweise bot das Versandhaus Neckermann die Maschinen in Westdeutschland an. Im Gegensatz zu den Werksmaschinen hatte sie nur ein Vierganggetriebe. Der westdeutsche Geländefahrer Karl Augustin setzte das Fahrzeug bei der Internationalen Sechstagefahrt in Italien im Jahr 1968 erfolgreich ein. Sie ist im unrepariertem Originalzustand erhalten und im Enduro-Museum Zschopau ausgetellt. Diese sogenannten “Eisenschweine” waren nahezu unverwüstlich. 

ETS 250/G 5 Kleinserie verschiedener Baujahre

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Meine erste ETS 250 G 5 bei einem ersten “Ausritt” am Hafen Leipzig-Lindenau 1980, Foto: Manfred Müller

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Die Fotos links zeigen die Praxis der Geländesport-Technik, eine bunte Kombination, die durch eine gewisse Kontinuität, zumindest bei Rahmen und Motorgehäusen der Kleinserie möglich war. Die Maschinen links in der Ausstellung in Ölsnitz haben noch die Lederverkleidung früher Exemplare mit Batteriezündung. Die rote Maschine kombiniert den ganz alten Tank mit einem neueren Motor mit Klauenpolzündung, die Grüne hat wohl einen späteren TS-Fünfgang-Serienmotor, aber auch den Sargtank der Kleinserie der späten Siebziger und frühen Achtziger. 

Der Fahrer am Ufer des Leipziger Hafens bin ich bei einer ersten Probefahrt mit meiner MZ-GS mit von der Kleinserie abweichendem 30 PS-Werksmotor, Telegabel, Simson-S-50-Tank, GFK-Kotflügel und Lampe. Der Umbau auf die winzige Lichtmaschine aus der Jawa Mustang funktionierte anfangs noch nicht störungsfrei. Er war schlicht noch nicht wasserdicht. 

 

Der Autor beim Start zur Geländefahrt “Rund um Nordhausen” 1982, Foto: Rainer Schäfer, MC Leipzig im ADMV

Das schwarz-weiß-Foto mit der Startnummer 222 zeigt mich mit der zweiten ETS 250 G 5 mit Simson S 51-Scheinwerfer, so wie sie 1981 von der MZ-Lehrwerkstatt ausgeliefert worden war. 

Meine zweite ETS 250/G 5 Baujahr 1981 im Jahr 1984.

Meine zweite ETS 250/G 5 Baujahr 1981 im Jahr 1984. Der S 51 -Scheinwerfer und Kotflügel wurden durch GFP-Bauteile ersetzt