MC-Leipzig GS-Team in der 250ccm-Klasse in Schmannewitz 1981, v.l. Henry Büttner, M. Hoffmann, Werner Kötzschau

Der Autor beim DDR-Meisterschaftslauf 1982 in Dahlen. Man beachte die Zuschauerkulisse an der Cross-Prüfung.

Werner Kötzschau einigermaßen geschafft in Dahlen März 1982. Foto Rainer Schäfer, MC Leipzig

Die Mannschaft wächst und auch die Herausforderungen

Rainer Schäfer gab sich viel Mühe, aus dem chaotischen Haufen sehr junger Fahrer mit privaten Maschinen wenigstens „eine Art Mannschaft“ zu machen. Das war schwer. Wir gingen nun Freitag abends in den Kraftraum der Uni in der Kantstraße um zu pumpen,  spielten den eigentlich unter uns verpönten Fußball, weil das weniger langweilig als das Joggen war und machten andere seltsame Dinge. Ich trampte oder fuhr mit dem Bus nach Gornau oder Hohndorf und kehrte mit Felgen um den Hals und mit Lenkern in der Hand zurück. Wie die meisten hatte ich ja noch kein Auto. Wir hatten als Verein drei ETS 250/G5 bestellt, da wir erfahren hatten, dass wieder welche hergestellt wurden. Ein mittleres Wunder geschah – zwei davon wurden im August 1981 an uns ausgeliefert. Ich bezahlte eine davon und trat damit wenige Wochen später zum Bezirksmeisterschaftslauf in Dahlen an. 

Nach einem Trainungslager beim MC Carl Zeiss Jena, wo ich unter der Anleitung sehr kompetenter Lizenzfahrer endlich ein wenig fahren lernte, war ich gewappnet für den dortigen Lauf und landete im vorderen Mittelfeld. Der Start zur DDR-Bestenermittlung im März in Dahlen war dann schon eine andere Nummer – ich erreichte zumindest das Ziel. Noch schlimmer war „Rund um Wiehe“ bei Dauerregen, wo ich nach dem soundsovielten Sturz das Handtuch warf. 

Inzwischen hatte ich die Einberufung zum Grundwehrdienst erhalten. Zwei Tage vor dem Einmarsch in die Kaserne nahm ich zusammen mit Henry Büttner, Werner Kötschau und Steffen Krumbiegel, der die zweite neue Kleinserie pilotierte, an der Harz-Geländefahrt vom MC Nordhausen teil. Es schneite, wurde bitterkalt und Werner bekam –  durchnässt – eine Nierenkolik. Aber wir kamen ins Ziel – einigermaßen platziert. Für mich war die Saison zu Ende und ich durfte nun vor allem mit der Kalaschnikow trainieren. 

 

Steffen Krumbiegel (250) am Start zur Geländefahrt „Rund um Nordhausen“, Foto: Rainer Schäfer

Werner Kötzschau (224) am Start in Nordhausen am 2. Mai 1982. Foto: Rainer Schäfer, MC Leipzig 

Tschechische Mannschaft mit Jawa-Maschinen am Ausgang des Parc Ferme in Povazska Bystrica.

Die Six Days in Povazska Bystrica 

Kurz nach der grauenhaften „Grundausbildung“ in der NVA bekam ich tatsächlich eine Woche Urlaub vom preußischen Schwachsinn. Mein Vater überließ mir den Firmen-B1000, der uns nun für ein paar Tage eine Art Wohnmobil wurde. Endlich wurde die Weltmeisterschaft im Enduro-Sport wieder in einem sozialistischem Land ausgetragen und wir konnten unsere Vorbilder sehen und gebührend anfeuern. Es war traumhaft, aber auch eine Art einordnende Bildung. Wir sahen den Stand der Technik der Welt und unsere Möglichkeiten. Verglichen mt anderen Motorsportarten waren das nicht die schlechtesten. Beeindruckend war die Geschwindigkeit beim Reifenwechsel. In der nächsten Zeit würden wir an solchen Feinheiten noch öfters üben.

Auch die Weltbesten hatten im Schlamm ihre Probleme. 

Reifenwechsel in der Service-Zone Six Days 1982

Die MC Leipzig-Enduro Mannschaft im Jahr 1983: 7 Starter in 2 Ausweis-Klassen. So groß war unsrere Mannschaft noch nie. Foto: Reiner Schäfer, MC Leipzig

Der Start in die Saison 1983 zeigte, dass Reiner Schäfers angestrebtes Ziel in Erfüllung gegangen war. Auch ganz ohne mich hatten wir die bisher größte leipziger Mannschaft und auch viele begeisterte Helfer.

Schon 1982 hatten wir versucht einen Bezirksmeisterschaftslauf im Motorradgeländesport auf die Beine zu stellen. Doch wir hatten erbitterte Gegner. Durch das Geknatter einiger Dutzend Motorräder innerhalb einiger Stunden eines Tages wären – vermutlich durch den verminderten Bruterfolg – viele Vogelarten Europas an den Rand der Ausrottung gebracht worden. Das wollten wir natürlich auf keinem Fall. Das Projekt wurde auf eine Trail-Veranstaltung eingeschrumpft und die seltenen Piepmätze verschont.

Motorradgeländesport im MC Leipzig 1983 bis 1985