(in Arbeit)

P 100 Funktionsmuster im August Horch Museum, Zwickau

Der P 100

Der P 100 – ein bildschöner Mittelmotor-PKW wurde gemeinsam in Eisenach und Zwickau entwickelt. Er hatte zwei Kofferräume – hinten und vorn und sollte als Wartburg 314 in Serie gehen. Schon der Wartburg 311 war in einem Akt zivilen Ungehorsams hinter dem Rücken der Regierenden entwickelt worden. In der Ära Ulbricht konnte man aber damit wenigstens noch nachträglich überzeugen und mit einem international konkurrenzfähigem Produkt einfach mal Fakten schaffen. Dem Ingenieur war auch in dieser Zeit nichts zu „schwör“. Weder Materialmangel noch die brutale Inkompetenz der „Wirtschaftslenker“ konnten ihn entmutigen. Zumindest in den sechziger Jahren sprudelte die Kreativität noch aus allen „Knopflöchern“ – einigermaßen zum Grauen des Wirtschaftsministeriums. Einige Modelle und Prototypen haben die „Vernichtungsbefehle“ überstanden. Zu den formschönsten gehören die Versionen des P 100 und des Wartburg 313-2. Die Motoren waren in Unterflur-Anordnung quer eingebaut. Die neu entwickelten Getriebe wurden später für den Wartburg 1.3 weiterentwickelt.

P 100 Coupé Modell Modell in der Automobilen Welt Eisenach

Wartburg P 100 Coupé (313-2) Modelle

Mittelmotor in Unterflur-Anordnung des P 100

P 100 Unterflurmotor

P 610 Prototyp im August Horch Museum, Zwickau

 

Das „RGW-Auto“ P 610

Als Gemeinschaftstyp in verschiedenen Ausführungen sollte der P 610 als dreitüriger Trabant-Nachfolger mit 1100 ccm und mit 1300 ccm als Wartburg 360 in Eisenach sowie bei Skoda gebaut werden. Es wurden verschiedene Funktionsmuster gebaut und erprobt. Zwickau war schon seit den sechziger Jahren bestrebt,  Fahrzeuge mit Ganzstahlkarossen zu bauen. Schon zuvor war an einem Einheitstyp P 760 gearbeitet worden. Von diesem „Hängebauchschwein“ fuhren schon einige Versuchsmuster umher. Der Typ wurde aufgrund seiner Häßlichkeit verworfen.

P 610 Prototyp, Stand 1979 mit 1100 ccm Skoda-Motor, Foto: B. Hofmann

Der nächste Versuch P 610 war gelungener und die Planung für die drei Automobilfirmen schon weit vorangeschritten. Für Eisenach war eine völlige Umstellung der Produktion von Fahrzeugen mit einem Rahmen auf Konstruktionen mit selbsttragenden Karosserien geplant. Dazu sollte ein neues Presswerk errichtet und neue Getriebe und Gelenkwellen gefertigt werden. 
 

Prototyp 610 M/1 (Wartburg 360), Baujahr 1978

viertüriger Prototyp 610 M/1

Dieser Typ hatte, wie der etwas kleinere Grundtyp 610, der in Zwickau gefertigt werden sollte, eine selbsttragende Karosse. Das in Eisenach ausgestellte Funktionsmuster hat einen Dacia-Motor. Es war geplant, die Fahrzeuge mit Skoda-Motoren zu produzieren. Das Politbüro der SED brach die gemeinsamen Entwicklungen von Skoda, AWE und Sachsenring, die schon weit gediehen waren, im Jahr 1979 ab. Der 860 kg leichte Wagen hatte mit dem Dacia-Motor 55 PS.