Vorgeschichte

Hermann Schumann stellte in seiner Schmiede ab 1866 auch Wagen her, bald auch für die Eisenbahn. Das Geschäft entwickelte sich gut und nach der Firmierung als Sächsische Waggonbau GmbH wurde die Firma eine Aktiengesellschaft. Die Hermann Schumann AG produzierte Eisenbahnwaggons, Strassenbahnen und Transporter- und Busaufbauten auf LKW-Fahrgestellen. Im Jahr 1928 wurde ein Teil der Anlagen an Horch verkauft und in einem anderem Teil die Fahrzeugbau Schumann GmbH gegründet, die hauptsächlich Oberleitungs-Elektro-Busse, im Krieg aber auch Torpedos herstellte. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Werk als Waggonfabrik Schumann-Werke Bestandteil der sowjetischen SAG Transportmittel.

Video: H 6 Lastzug bei der Curbici Veterano in Zörbig, 2009

Video: H 6 Lastzug bei der Curbici Veterano in Zörbig, 2009

H 6 Dreiseitenkipper bei der Curbici Veterano in Zörbig 2009

H 6 Dreiseitenkipper bei der Curbici Veterano in Zörbig 2009

H 6 Pritschenwagen beim Bulldog Dampf und Dieseltreffen, Markkleeberg, 2017

H 6 Pritschenwagen beim Bulldog Dampf und Dieseltreffen, Markkleeberg, 2017

H 6 Zugmaschine beim Bulldog Dampf und Dieseltreffen, Markkleeberg, 2017

H 6 Zugmaschine beim Bulldog Dampf und Dieseltreffen, Markkleeberg, 2017

Der H 6

Auf der Basis von Konstruktionen der VOMAG Plauen, die von den Sowjets komplett demontiert worden war, wurde nach dem Krieg bei Horch ein neuer LKW mit Sechszylinder-Dieselmotor entwickelt. Der H 6 mit einer Nutzlast von 6 Tonnen wurde erstmals auf der Frühjahrsmesse 1951 in Leipzig vorgestellt und von 1952 bis 1959 in Werdau gebaut. Der Wirbelkammer-Diesel hatte zunächst 9036 ccm und 120 PS. Die Leistung wurde bald auf 150 PS gesteigert. Auf der Grundlage dieses Motors wurde im VEB Dieselmotorenwerk Schönebeck der 6 VD 14,5/12-1 SRW mit 190 PS und Mittelkugel-Brennverfahren entwickelt, der hauptsächlich in Bau- und Landmaschinen eingebaut wurde. Der H 6 wurde in vielen kleinen privaten Fuhrunternehmen in der DDR bis zur Wende weiterhin genutzt. In allen diesen gewerblich im Alltag genutzten Oldtimern verrichtete schließlich der schönebecker Motor seinen Dienst. Auf der Grundlage der H 6 Fahrgestelle wurde der Bus H 6 B gebaut. Die Baugruppen fanden auch in Autodrehkränen Verwendung. Auf Grundlage eines Prototypen IFA NL 7 mit Niederflurrahmen entstand ein Drehleiterfeuerwehrwagen, der bis 1977 bei der Betriebsfeuerwehr im Chemiewerk Böhlen im Einsatz war. Das Nachfolgemodell der Frontlenker AZ 57 war 1959 zur Serienreife entwickelt, der Start der Serienproduktion für 1960 geplant. Im RGW wurde festgelegt, das in der DDR nur noch LKW bis maximal 5 Tonnen gebaut werden sollen. Der Produktionsstart wurde abgeblasen.

H 6 Autodrehkran beim Bulldog-Dampf- und Diesel-Treffen auf dem AGRA-Gelände Markkleeberg 2017.

H 6 Autodrehkran beim Bulldog-Dampf- und Diesel-Treffen auf dem AGRA-Gelände Markkleeberg 2017.

ADK 63 auf der Basis des H 6 Fahrgestells auf dem AGRA-Gelände Markkleeberg 2017.

ADK 63 auf der Basis des H 6 Fahrgestells auf dem AGRA-Gelände Markkleeberg 2017.

Der G 5

Von 1952 bis 1964 wurde in Werdau der allradgetriebene Dreiachser G 5 mit 5 Tonnen Nutzlast hergestellt. Die robusten Fahrzeuge mit dem Sechszylinder des H 6 fanden vor allem bei NVA und Volkspolizei Verwendung. Ich kann mich noch gut an die Werkstattwagen der Leipziger Verkehrbetriebe erinnern, die mühelos einen defekten dreigliedrigen Strassenbahnzug ins Depot schleppen konnten. Von 1958 bis 1961 wurde der Nachfolger G 5/3 mit einem luftgekühlten 8-Zylinder-V-Dieselmotor entwickelt und vier Funktionsmuster (Vorserie) gebaut. Es wurde aber entschieden, die sowjetischen Ural-Benziner für die NVA zu importieren. Die Kosten für die Einführung des neuen Typs ohne  die Möglichkeit des Exports größerer Stückzahlen wurden als zu hoch betrachtet und schließlich die Produktion des Typs eingestellt.

G 5 Allrad-Tanklastwagen der NVA beim Bulldog Dampf und Dieseltreffen, Markkleeberg, 2017.

G 5 Allrad-Tanklastwagen der NVA beim Bulldog Dampf und Dieseltreffen, Markkleeberg, 2017.

G 5 Dreiseitenkipper beim Bulldog Dampf und Dieseltreffen, Markkleeberg, 2017

G 5 Dreiseitenkipper beim Bulldog Dampf und Dieseltreffen, Markkleeberg, 2017

G 5 "Budka" Werkstattwagen der NVA in Zeitz, 2018

G 5 „Budka“ Werkstattwagen der NVA in Zeitz, 2018

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Quellen: Suhr Christian, Das Messealbum, DDR-Motorindustrie im Spiegel der Leipziger Messe, Motorbuch Verlag, 2010