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Im Jahr 1961 startete zum ersten Mal die “Schnaps-glasklasse” mit reger Beteiligung zum Europacup. Die FIM beschloß darauf, schon im Jahr 1962 die Fünfziger in der Weltmeisterschaft auszuschreiben. MZ-Rennleiter Bernhard Petruschke sah ein großes Potential für den Zweitakt-Spezialisten MZ in dieser Klasse. Für einen Vorversuch wurde ein Motor mit 125ccm umgebaut. Eine kleine Kurbelwelle mit 39,5mm Hub wurde mit Füllringen ins Sechsgang-Gehäuse gesteckt. Ein gefräster Alu-Zylinder mit Graugussbuchse, drei Überströmern und Auslass nach hinten kam unter einen großen Fächer-zylinderkopf. Bei ersten Prüfstandsläufen erreichte der Motor 10,5PS bei 11.600 U/min. Das machte Hoffnung.

Motor der MZ RE 50ccm

Das große Motorgehäuse war für die 50ger Klasse im internationalem Wettbewerb natürlich zu groß und zu schwer. So machte sich Erich Bergauer an die Arbeit und zeichnete einen Mini-Motor mit klauenge- schaltetem Achtgang-Getriebe. Der wassergekühlte Zylinder hatte den Auslaß nach hinten. Der große Zylinderkopf blieb luftgekühlt. Man experimentierte mit verschiedenen Telegabeln und Bremsen im neuen leichteren Fahrgestell. So entstanden eins mit MZ-Gabel und Bremsen vom tschechischen Manet-Motorroller und eins mit italienischer Gabel und Bremsen. Eigene Elektron-Naben wurden zunächst nicht fertig. Die Probefahrt der sehr schnell entwickelten Maschine fand auf dem Sachsenring 1962 zum WM-Lauf statt. Man rechnete sich, aufgrund der mindestens ebenbürtigen Prüfstandsleistung zur Konkurrenz aus Kreidler, Honda und Suzuki, gute Chancen aus. Aufgrund diverser Kinderkrankheiten konnte man aber gegen die Mitbewerber, die etwa ein Jahr Entwicklungsvorsprung hatten nicht punkten. Für die Saison 1963 musste alles völlig überarbeitet werden.  
Der nun wieder komplett luftgekühlte Achtgang-Motor leistete auf dem Prüfstand im Frühjahr 1963  10,8 PS bei 13.400 U/min. Die komplette Maschine wog nur noch 55kg. Durch Versuche im Windkanal der TU-Dresden konnte der Luftwiderstand der kleineren und schmaleren Maschine um etwa 20 Prozent gesenkt werden. Doch zu vielen WM-Läufen wurde der DDR die Einreise verweigert, sogar in Barcelona, wo man mit Umwegen vorher noch starten konnte. Der Ungar Laszlo Szabo konnte zumindest auf dem Hockenheimring in der BRD mit seiner ungarischen Lizenz und vor allem dem ungarischem Pass starten. Doch ohne Walter Kaaden, der wie kein Anderer, die hochgezüchtete Maschine vernünftig einstellen konnte, konnte diese ihr Potential nicht richtig zur Geltung bringen. Nach der Saison 1963 musste man resumieren, dass unter den gegebenen Umständen, bestehend aus Einreiseverboten, Devisenknappheit und den Problemen auf europäischen Rennstrecken oft nur eingeschränkt trainieren zu können, die “Front”, an der man kämpfte, massiv überdehnt hatte. Mit weniger als einem Dutzend Mitarbeitern konnte man nicht erfolgreich in vier Klassen in der Weltmeisterschaft an den Start gehen. Man sollte sich in Anbetracht der finanziellen und personellen Situation auf ein- bis zwei Klassen konzentrieren.

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Quellen: Rönicke, Frank, Das grosse DDR-Motorradbuch, Motorbuch Verlag, Stuttgart, 2013                                                                                      Woll, Manfred, IFA/MZ-Renngeschichte 1949-1961, HEEL Verlag GmbH, Königswinter, 2001                                                                         Woll, Manfred, Die MZ-Renngeschichte 1962-1977, 79Oktan OHG, Zettlitz, 2021