Mein HTS mit HTS-Karosse und AKA-Reklame in der Boxengasse beim Frühjahrstraining 1988 in Most

Nach Jahren der Aktivität im Motorradgeländesport fing Henry Büttner im Herbst 1987 an, Teile für einen MT 77– Formelrennwagen zusammenzutragen. Wir fuhren, u.a. zur Sichtung von Teilen, viel in der DDR herum, lernten zahlreiche Sportler und deren Fahrzeuge kennen.  Noch trainierte ich mit meiner MZ GS 250, aber ich wurde immer neugieriger. Zunächst hatte ich daran gedacht, zum Rallye-Sport oder zum Auto Cross zu wechseln – aber Straßenrennsport? Henry Büttner hegte diese Pläne offenbar schon länger. Zum Kauf eines MT 77 gab es für ihn keine Alternative.

Fahrerlizenz 1988

Der MT war seit seinem Auftauchen 1977 bis Ende der achtziger Jahre das Maß der Dinge in der Formel-Easter. Erst am Ende dieses Jahrzehnts wurden die Russen mit dem dann überlegenen „Estonia“ führend. Das besondere des MT war die im Windkanal optimierte Karosserie, die auf den recht schnellen Rundstrecken in der DDR einen Vorteil bot und die optimale Verteilung der Kräfte auf die vier Räder. Der MT brachte 25 % des Fahrzeuggewichts+Fahrer auf jedes Rad. Beim HTS dagegen lasteten 40 Prozent auf der Vorderachse und 60 Prozent hinten. Solche weniger perfekten Verteilungen waren aber auch bei den meisten Formel-Rennwagen anzutreffen, so  auch in der Formel 1.

Training in Most 1988: In den Höhenlagen des Erzgebirges liegt noch Schnee.

Würde ein HTS mit einer MT-Karosse so viel schlechter sein, als ein MT? Ich sollte die Probe aufs Exempel wagen. Ich sah mir einige HTS-Boliden an. Für den Kauf oder den Aufbau eines MT hätte ich nicht die finanziellen Mittel aufbringen können. So häuften sich die „Zufälle“ und drängten mich in eine Richtung. Schließlich bot ein Hotel- und (Pferde-) Rennstall-Besitzer in Thüringen eine interessante Möglichkeit. Er besaß einen HTS-Rennwagen, der schon original in Leipzig mit einer MT-Karosse aufgebaut worden war. Das war mehr als ein Fingerzeig!

Auf der Zielgeraden im damals noch tschechoslowakischem  Most, 1988, Foto: Andreas Claus

 HTS ohne Haube Weinbergrennen bei Naumburg, 1988

 

Henry Büttner am Vorstart zum Weinbergrennen. Foto: Sabine Müller 

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Transporter des McLaren-Teams im Fahrerlager des Hungarorings 1988

Am Vorstart zum Weinbergrennen 1988. Foto: Sabine Müller 

Erste Trainingseinheiten

Nach dem Transport des Rennwagens aus dem Thüringer Wald nach Leipzig wurde er bald auf einer asphaltierten aber gesperrten Straße bei Gundorf ausprobiert. Auch Henry übte erstmals das Beschleunigen und Schalten mit dem unsynchronisierten Renngetriebe. Mir gelang es eigentlich auf Anhieb, hatte ich doch bei der NVA mit sowjetischen Armeefahrzeugen Trainingsmöglichkeiten gehabt. Einen Ural bekommt man ohne Zwischenkuppeln und Zwischengas nicht vom Fleck. Auch beim „Russenjeep“ UAS sind die ersten beiden Gänge unnsynchronisiert. Das Kunststück ist es, im Rennen zumindest beim Hochschalten, so schnell zu sein, das man nur die Drehzahländerung ohne eine nennenswerte Pause dazwischen hört. 

In Most übten wir nicht nur das. Allmählich bekam ich ein „Gefühl“ für das Auto, die Bremspunkte rückten den Kurveneingängen immer näher. Die Füße im HTS mit seinem Frontkühler wurden immer wärmer. Der Wind toste um die Karosse. So schnell war ich noch nie in meinem Leben gefahren. Wufff…, die „Hütte“ wackelte. Frank „Jacky“ Thalmann und Steffen Göpel ballerten an mir vorbei, dass es mir vorkam, als säße ich in einem Multicar. Es ging also tatsächlich noch schneller. Aber der Anfang war gemacht und es war so dermaßen geil! 

Bergrennen und Training – Saison 88, Teil 1

Um Rundstreckenrennen fahren zu dürfen, musste man Praxis, beispielsweise im Rallyesport, nachweisen und  sich dann erst einmal ein Jahr bei Bergrennen beweisen. Danach entschied die Sportkommission über einen Fahrerausweis bzw. eine Lizenz. Uns wurden die Jahre als Ausweisfahrer bzw. Starter mit Juniorenlizenz im Motorradgeländesport anerkannt. So konnten wir zu unserer „Trainings- und Bergrennsaison“ in der Leistungsklasse II schon 1988 starten. Zum Frühjahrstraining am 8.5.1988 in Schleiz wurde der weiße MT 77 zum ersten mal richtig getestet und landete in der Heinrichsruher Kurve im Graben. Im Juni folgte das Heubergrennen, vor dessen Kurven und vor allem den vielen Bäumen direkt neben der Strecke ich gehörigen Respekt hatte.

Am gleichen Wochenende an dem die Rennsportler mit Rundstreckenlizenz auf dem Schleizer Dreieck antraten, fuhren wir zum „Großen Preis von Ungarn“, dem damals einzigen Lauf der Formel 1 im Ostblock, um uns den Stand der Technik und natürlich auch das Rennen anzusehen.

Richtig Spaß machte dann das Weinbergrennen des MC Naumburg. Es herrschte eine Art verspätetes Aprilwetter und wir wechselten mehrfach Slicks gegen Regenreifen und umgekehrt. An einer noch leicht feuchten Stelle schmierte ich mit den Slicks  weg, flog von der Strecke und strandete in einer ausgedehnten Brombeerhecke. Ich hing mit dem Wagen ernsthaft fest, stieg aus und hätte beinahe auch einen Kran zwecks Bergung gebraucht, denn hunderte Dornen hemmten meine Fortbewegung. Die Saison war zu Ende und ich hatte viele Eindrücke und Ansatzpunkte zur Optimierung gewonnen.

 

Team Büttner/Hoffmann Saison 1988 – Teil 2