Die „Williams-Hoffmanns“  im Matsch des regennassen Fahrerlagers beim  Frühjahrstraining Schleiz 1989

Zum Frühjahrstraining in Most am 23. 4. 1989 fuhr ich diesmal mit dem Wolga als Zugfahrzeug. Im Jahr zuvor hatte der ungebremste Anhänger den Barkas  mit „gefühlten“ 100km/h in Chomutov über eine Kreuzung bei roter Ampel geschoben – eine Qualmwolke der überhitzten Bremsbeläge hinter sich her ziehend. Der Wolga meistere Steigung und Gefälle der Straße über den Erzgebirgskamm souverän. Wie so oft habe ich keine eigenen Bilder. Mit dem zwölftbesten Ergebnis bei etwa 30 Startern in meiner Klasse war ich fürs erste einigermaßen zufrieden. Eine Woche später trafen sich die Straßenrennsportler zum Training auf dem Schleizer Dreieck. Trotz scheußlichen Wetters kam ich gut zurecht und fand immer mehr Gefallen am Rennsport, der mir bis dahin vor allem deshalb nicht gefiel, weil man nicht driften durfte, obwohl man gekonnt hätte. Wer quer fuhr, war langsamer. Das konnte man messen.

Die erste Veranstaltung des Jahres war aber, wie immer, die Fahrerbesprechung in Dresden gewesen. Dort wurden die neuesten Änderungen des Reglements besprochen. Es wurden neue Feuerlöschanlagen vorgeschrieben. Der IFA-Vertrieb in Halle stellte Feuerlöscher, einige Meter Rohre, Düsen und Verbindungselemente zur Verfügung. Im Nachhinein gab es ein richtiges Kuriosum. Schwer entflammbare Rennanzüge wurden Pflicht, es gab aber in der DDR keine Firma, die sie herstellte. Jeder Rennfahrer bekam nun einen Ballen des silbrig glänzenden Stoffes und einen Schnittmusterbogen. Unzählige Rennfahrerfrauen und ihre Nähmaschinen hatten in den nächsten Wochen gut zu tun – meine auch.

Eigenbau-Anhänger mit Wolga-Blattfedern (die hatte ich von den zweieinhalb Schrotthaufen noch übrig) Schleiz 1989

Feuerlöscher für den MC Leipzig 1989

Starterliste Glasbach-Rennen 1989 LK II

 

Der MC Kraftverkehr Leipzig organisierte eine als Beschleunigungsrennen gedachte Veranstaltung auf einem übrig gebliebenen Teil der Strecke des Leipziger Stadtparkrennens, Ich konnte aber nur mit dem HTS als Standmodell teilnehmen, da die Federbeine hinten noch nicht fertig waren. Ich stellte den Renner mit Winkeleisen anstatt der Federn nur zur Ansicht aus, wärend die anderen um die Fontänen im Clara Zetkin Park tobten. Nach dem Beschleunigungsrennen, fuhren wir nach Bad Liebenstein hinter dem Rennsteig. Das Glasbach-Bergrennen war fürchterlich. Es regnete fast die ganze Zeit und wenn es mal nicht regnete, herrschte Nebel, teilweise mit Sichtweiten unter 20 Meter. Ich eierte mit gefühlter Schrittgeschwindigkeit einigermaßen ziellos umher. Ich glaubte, kaum den letzten Platz erreicht zu haben. Der Spott von Steffen Göpel tat ein Übriges. „Vorhin sind ein paar Kipperfahrer mit ihren W 50 die Strecke schneller runtergefahren als ihr rauf!“ Na ja die kannten die Strecke gut und saßen auch einen Meter über dem Nebel, dachte ich. Ich war dann doch einigermaßen überrascht den 10. Platz unter den 34 Startern in meiner Klasse gemacht zu haben.

Am Vorstart zum Glasbach-Rennen 1989 mit meinem Mechaniker Peter. Foto Henry Schöne (?)

Scheißwetter beim Glasbach-Rennen 1989. Foto Henry Schöne (?)

Heubergrennen

Das Heubergrennen vom MC Gotha wurde auch in diesem Jahr nicht zu meinem Lieblingsrennen. Ich hatte vor dem Kurs und seinen tausenden Bäumen einfach zu viel Respekt. Mein Rumgeeiere reichte  gerade zum Mittelfeld, aber ich war ja erst dabei, Erfahrungen zu sammeln und das machte auch noch richtig Spaß. Hier ist vielleicht Gelegenheit, daran zu erinnern, dass die Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen in der DDR auf 100km/h begrenzt war. Die erreichte ich hier schon im zweiten Gang.

Der Autor im schwer entflammbaren Overall, Heubergrennen 1989. Foto: A.Claus

Henry Büttner beim Heubergrennen 1989

Saison 1989 Teil 2