VEB Industriewerke Ludwigsfelde (IWL)

Vorgeschichte

In einem Waldgebiet bei Ludwigsfelde errichtete die Daimler Benz AG im Jahr 1936 ein Werk zur Produktion von Flugmotoren. Den Höhepunkt des Produktionsumfanges erreichte man im Jahr 1944, wo über 10.000 Motoren von etwa 16.600 hauptsächlich unfreiwilligen Arbeitern gefertigt wurden. Zu diesem Zeitpunkt waren 68 % der Beschäftigten Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter insbesondere KZ-Häftlinge des neben dem Werk befindlichen Konzentrationslagers. Nach dem Krieg wurde das gesamte Werk von den Sowjets demontiert, die Werkhallen gesprengt.

Neustart

Auf dem Areal wurde 1952 eine neue Firma gegründet und völlig neue Werkhallen aufgebaut. Unter anderem entstand ein gewaltiger Prüfstand für Schiffsdieselmotoren. Zunächst wurden Schiffsmotoren und diverse Maschinenteile gefertigt. So produzierte man Elektrodenöfen für die Stahlherstellung, Fahrradhilfsmotoren und Dieselameisen. In den fünfziger Jahren entstand bald eine große Nachfrage nach Motorrollern. Nachdem sich kleine Handwerker und Tüftler wie August Falz mit diesen Fahrzeugen beschäftigt hatten, wurde im September 1953 in den neuen Industriewerken ein Team zur planmäßigen Entwicklung eines solchen Fahrzeugs zusammengestellt. Das Kollektiv unter Roland Berger konstruierte und baute einen ersten Roller als Versuchsmuster innerhalb von 81 Tagen. Die Aufnahme einer Serienproduktion dauerte in der Planwirtschaft aber noch bis Anfang 1955. So fand der Motor der MZ RT 125, mit einem Gebläse versehen, auch unter der gefälligen aber voluminösen Verkleidung des ersten ludwigsfelder Motorrollers „Pitty“ sein Obdach.

mehr zu den Motorrollern und Einspuranhängern von IWL

Dieselameisen (aus Waltershausen)

Dieselameisen (aus Waltershausen)

IWL Motorroller Pitty bei der "Via Regia Classic" 2018

IWL Motorroller Pitty bei der „Via Regia Classic“ 2018

Video: Motorroller "Berlin" bei der "Curbici Veterano"

Video: Motorroller „Berlin“ bei der „Curbici Veterano“

Motorroller "Berlin" mit Anhänger "Campi"

Motorroller „Berlin“ mit Anhänger „Campi“

Strahltriebwerke für Düsenjets

Im 1955 neu gegründeten VEB Flugzeugwerk Dresden wurden bis 1958 achtzig zweimotorige Passagierflugzeuge vom Typ Iljuschin 14 in Lizenz für die Interflug, aber auch für den Export gefertigt. Unter der Leitung des ehemaligen Konstrukteurs der dessauer Firma Junkers, Brunolf Baade, war ein vierstrahliges Linien-Verkehrsflugzeug konstruiert und 1958 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Die Produktion der Turbinen vom Typ „Pirna 014“ wurde im ludwigsfelder Werk in Angriff genommen. Bis 1961 wurden dort 51 Triebwerke dieses Typs produziert. Leider stürzte ein Prototyp der Baade 152 bei einem Testflug ab. Hauptgrund für den für die Volkswirtschaft der DDR katastrophalen Abbruch der Entwicklung war aber hauptsächlich die Kündigung der angedachten (verabredeten) Abnahme von mindestens 100 geplanten Maschinen durch die Sowjetunion, die inzwischen mit der Tupolew 104 ein ähnliches eigenes Modell entwickelt hatte. Von 1955 bis 1958 hatte die DDR mit der VVB Flugzeugbau ein Unternehmen mit 25.000 Beschäftigten aus dem Boden gestampft, dem quasi mit einem Beschluss aus Moskau der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. So wurden die Industriewerke Ludwigsfelde zu einer Art „industrieller Feuerwehr“, die mal riesige Stahlgussteile, mal Schmelzöfen, mal Außenbordmotoren, oder was auch immer gerade kein anderer so richtig herstellen konnte, in kurzer Zeit realisierte. 1963 übernahmen sie die Produktion des, verglichen mit den sowjetischen Modellen, recht potenten Geländewagens P 3, der vor allem bei Polizei und NVA gebraucht wurde.

Das erste deutsche Verkehrsflugzeug mit (4) Strahltriebwerken, die  Baade 152 des VEB Flugzeugwerk Dresden, 1958

Das erste deutsche Verkehrsflugzeug mit (4) Strahltriebwerken, die  Baade 152 des VEB Flugzeugwerk Dresden, 1958

NVA-Geländewagen P 3 mit 2,4 Liter Sechszylindermotor beim Weinbergrennen, Naumburg, 2009

NVA-Geländewagen P 3 mit 2,4 Liter Sechszylindermotor beim Weinbergrennen, Naumburg, 2009

W 50 L Werkstattwagen

W 50 L Werkstattwagen

W 50 LA/Z Allrad-Dreiseitenkipper

W 50 LA/Z Allrad-Dreiseitenkipper


VEB Automobilwerke Ludwigsfelde

Nach dem Desaster mit der vor allem zum Export bestimmten Verkehrsmaschine beschloss der Ministerrat der DDR am 21. Dezember 1962, am Standort Ludwigsfelde dringend benötigte LKW in größerer Stückzahl produzieren zu lassen. Es wurde eine riesige Produktionshalle einschließlich eines Presswerks für Karosserieteile errichtet. Der in Werdau entwickelte LKW mit 5 Tonnen Nutzlast W (Werdau/Sachsen) 50  (Nutzlast in dt) wurde in Ludwigsfelde in die Großserie überführt. Am 17. Juli 1965 lief der erste LKW vom Typ W 50 vom Band. An diesem Tag bekam Ludwigsfelde auch das Stadtrecht verliehen. Die Bevölkerung hatte sich von 1950 bis 1964 von 5.810 auf 12.200 Einwohner verdoppelt. 1989 arbeiteten fast 10.000 Menschen im Werk und die Stadt hatte 22.582 Einwohner. Die Produktionszahlen entwickelten sich von 16.953 im Jahr 1969 auf 32.294 im Jahr 1985. Von den insgesamt 592.078 bei IWL produzierten LKW wurden rund 70 % auf vier Kontinente exportiert.

mehr zu den LKW W 50 und L 60

Quellen: wikipedia.org/wiki/Automobilwerke_Ludwigsfelde