Durch den Volksentscheid im Juni 1946 wurde die Auto Union Chemnitz und damit auch Horch enteignet und ging in Volkseigentum über. Die Firma nannte sich nun VEB Horch Kraftfahrzeug- und Motorenwerke Zwickau. Horch war auf die Fertigung von PKW der Luxusklasse und später auf schwere geländegängige PKW spezialisiert. Beides wurde nun erstmal weniger gebraucht. Es fehlte an allem. Man begann mit der Produktion von LKW des Typs H 3, der bei Wanderer in Chemnitz-Siegmar entwickelt worden war. Die verwendeten Ottomotoren waren eine Konstruktion von Maybach mit 100 PS Leistung, wie sie in verschiedenen Militärfahrzeugen verwendet wurden. Insgesamt wurden in Zwickau von 1947 bis 1949 852 LKW dieses Typs gefertigt.

Traktor RS 01 "Pionier" beim Oldtimertreffen in Pegau 2016

Traktor RS 01 „Pionier“ beim Oldtimertreffen in Pegau 2016

Video: Traktoren RS 01 "Pionier" beim Bulldog- Dampf- & Diesel-Treffen auf der AGRA Markkleeberg, 2017

Video: Traktoren RS 01 „Pionier“ beim Bulldog- Dampf- & Diesel-Treffen auf der AGRA Markkleeberg, 2017

Der RS 01 „Pionier“ (1949-50)

Die Rote Armee rückte 1944 immer weiter auf Deutschland zu. Die FAMO-Werke in Breslau, eine Tochter der Junkers AG, lagerten deshalb Anfang 1945 Maschinen und Anlagen der Traktoren-Produktion nach Schönebeck/Elbe aus. Nach der Kapitulation wurden die Anlagen der FAMO in Breslau, mit denen die schweren Halbketten-Zugkraftwagen hergestellt worden waren, komplett demontiert und in die Sowjetunion geschafft. Das Werk in Schönebeck war zunächst nicht arbeitsfähig. Die Techniker überarbeitet aber die Unterlagen für den FAMO XL Traktor, der ab 1949 im „VEB Horch“ hergestellt wurde. Der Vierzylinder-Dieselmotor mit Vorkammer-Einspritzung des robusten Ackerschleppers erzielte aus dem rund 5 Liter Hubraum 40 PS Leistung und wurde bis 1950 in Zwickau in 2605 Einheiten gebaut. Dann wurde die Produktion in das Schlepperwerk Nordhausen verlagert.

LKW H3A (1950 – 58)

Während der H3 eine Weiterentwicklung auf Basis des Schnelllasters AU 1500 von Wanderer (Auto Union) war, wurde der H3A, anders als es die Typenbezeichnung vermuten lässt, ab März 1948 in Zwickau völlig neu konstruiert. Ein Vierzylinder-Wirbelkammer-Diesel mit etwa 6 Litern Hubraum leistete 80 PS und ermöglichte eine Nutzlast von zunächst 3,5 Tonnen. 1956 wurde der Motor überarbeitet und die vorher dreifach gelagerte Kurbelwelle war nun fünffach gelagert. Von 1950 bis 1958 wurden im VEB Horch Kraftfahrzeug- und Motorenwerke Zwickau über 30.000 LKW H3A hergestellt und auch vor allem in die VR China und nach Bulgarien exportiert.

S 4000 Dreiseitenkipper auf dem AGRA-Gelände Markkleeberg 2017.

S 4000 Dreiseitenkipper auf dem AGRA-Gelände Markkleeberg 2017.

S 4000 Pritsche  auf dem AGRA-Gelände Markkleeberg 2017.

S 4000 Pritsche  auf dem AGRA-Gelände Markkleeberg 2017.

   

Der S 4000  (1958/59)

war das Nachfolgemodell des H3A und wurde ab 1958 in Zwickau produziert. Der Motor hatte nun 90 PS und das neue Getriebe war synchronisiert. Das Fahrerhaus des Langhaubers war mit Gummielementen auf dem Fahrgestell mit etwas längerem Radstand und Druckluftbremse gelagert. Die Nutzlast betrug 4 Tonnen. Nach etwas mehr als 2000 Stück wurde Anfang 1959 die Produktion an den VEB Kraftfahrzeugwerk „Ernst Grube“ ins benachbarte Werdau abgegeben.

Video: Sachsenring P 240 in Zörbig 2009

Video: Sachsenring P 240 in Zörbig 2009

P 240 „Sachsenring“

Im September 1953 erteilte das Ministerium für Maschinenbau der DDR dem VEB Horch Zwickau den Auftrag zur Entwicklung eines Oberklasse-PKW. Der bildschöne Wagen mit neu entwickelten Sechszylinder-Ottomotor mit 2,4 Liter Hubraum und 80 PS wurde erstmals auf der Frühjahrsmesse in Leipzig im Jahr 1956 als Horch P 240 vorgestellt. Um den Rechtstreitigkeiten im Rahmen des kalten Krieges  um Namensrechte auch im Falle Horchs mit der BRD den Wind aus den Segeln zu nehmen, firmierte der „VEB Horch“ in VEB Sachsenring Kraftfahrzeug- und Motorenwerke Zwickau um. Obwohl die Produktionsanlagen auf eine höhere Stückzahl als für die noblen Horch-Luxuskarossen der Vorkriegszeit üblich ausgelegt wurden, überdachte man bald die Planung. Von den Stückzahlen von 6000 bis 9000 wurde zugunsten der Erhöhung der Stückzahlen der zukünftigen Kleinwagen abgesehen. So wurden vom „Sachsenring P 240“ bis 1959 nur 1382 Stück gebaut. Der Motor wurde aber weiterhin für die geländegängigen Kübelwagen P 3 verwendet. Im Jahr 1969 stellte man auf der Grundlage des Antriebs und Fahrgestells das repräsentative Cabrio P 240 „Repräsentant“ für die NVA her, die zur Staatsfeier am 7. Oktober zu sehen waren.

Zum 1. Mai 1958 fusionierte die Firma mit dem VEB Kraftfahrzeugwerk Audi Zwickau zum VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau um eine größere Stückzahl des Kleinwagens Trabant zu ermöglichen.

VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau

VEB Schlepperwerk Nordhausen

VEB Kraftfahrzeugwerk „Ernst Grube“ Werdau

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