Der Einheitsmotor EM 4

Das Schlepperwerk Nordhausen hatte der VVB Landmaschinen- und Traktorenbau angehört. Nun gehörte es zur VVB Automobilbau und firmierte ab 1. Juli 1965 als VEB IFA Motorenwerke Nordhausen. Schon am 27. 2. 1965 wurde der erste EM4-Motor in Nordhausen montiert. Gegen den Widerstand der Nordhäuser Ingenieure war dieser in Schönebeck zum „Kompromiß-Motor“ entwickelt, d.h. auf 120mm „aufgebohrt“ worden. Mit nun 110 PS war der W 50 mit diesem alten Wirbelkammer-Motor aber immer noch untermotorisiert. Die Produktion des W 50 musste in Ludwigsfelde aber endlich starten. Kein einziges Exemplar des 110 PS-Interims-Motors ist bis heute erhalten geblieben. 

Schnittmodell Dieselmotor EM 4 für LKW S 4000 im IFA-Museum Nordhausen

Dieselmotor EM 4 mit 90 PS Detail Einspritzdüse und Wirbelkammer (braun)

Rekonstruierter „Interimsmotor“ 4 KVD 14,5/12 SRW, 110 PS

Motor 4 VD 14,5/12-1, M-Verfahren, mit  Röhrenwärmetauscher

Dieselmotor für LKW SIL 4VD 14,5/12-2, Elvolventenwärmetauscher

Im Jahr 1965 war Ing. Günter Caspari als neuer Chefkonstrukteur ins Werk gekommen. Unverzüglich begann die Entwicklungsabteilung unter seiner Leitung den Einheitsmotor zu überarbeiten. In Lizenz von MAN wurde die Direkteinspritzung mit Mittelkugelverfahren übernommen. Dadurch stieg die Leistung auf 125 PS, während der Kraftstoffverbrauch um etwa 15 Prozent sank. Allerdings mussten nun für jeden Motor 50,- DM nach Nürnberg überwiesen werden. Das Problem mit der Öltemperatur wurde zunächst durch einen Röhren-Wärmetauscher gelöst, der an den Kreislauf des Kühlsystems angeschlossen war. Später wurde der patentierte Elvolventen-Wärmetauscher in die Ölwanne integriert. Insgesamt wurden der 4 KVD 14,5/12 mit M-Verfahren in 970.000 Exemplaren in Nordhausen gebaut. Der Motor trieb neben den W50, Ikarus 211 und ZT 300/303 auch den Mähdrescher E 512, den Autokran ADK 63, verschiedene Baumaschinen und Aggregate an. Interessant war der Umbausatz für die sowjetischen LKW SIS und SIL, die von hause aus mit ihrem Achtzylinder-Vergasermotoren gewaltigen Durst hatten. Etwa 19.500 Fahrzeuge wurden so von Otto- auf Dieselmotor umgerüstet, was zu Senkung des Kraftstoffverbrauchs um bis zu 50 Prozent führte.

Kolben v.l.n.r.: RS 01, EM 4, 4 KVD 14,5/12, 4 KVD 14,5/12-1, gut ist der M-Brennraum zu erkennen.

Elvolventen-Wärmetauscher

5 VD 12,5/12 GRF, 5 Zylinder-Dieselmotor MN 105

6 VD 12,5/12 GRF Dieselmotor MN 106 mit Getriebe

Prototypen – Viele neue Motoren-Entwicklungen aber keine Serienproduktion.

Schon während der Produktionszeit des „Interimsmotors“ von 1965 bis 1967 wurde neben dem langhubigen Vierzylinder mit 145 mm Hub und 120 mm Bohrung ein leichter Sechszylinder mit kürzerem Hub entwickelt. Der geneigte Motor war auch für den Einbau in Busse geeignet und holte als Saugmotor mit M-Verfahren aus etwa dem gleichen Hubraum wie der W 50-Motor 150 PS Leistung, bei gleichem Motorgewicht. Ein Exemplar aus dem Baujahr 1967 ist in der Ausstellung des IFA-Museums in Nordhausen zu sehen. Die Motoren wurden u.a. in einem Reisebus der Firma Messerschmidt in Zörbig getestet. Der Motor hatte einen Hub von 120 mm und eine Bohrung von 110 mm. Die höhere Leistung resultierte u.a. aus der konstruktionsbedingt etwas höheren Drehzahl. Auch in Ludwigsfelde hoffte man auf einen derartigen Motor. In den Plan der Planwirtschaft passte er erstmal nicht. Mitte der siebziger Jahre wurde die Entwicklung weitergeführt. Wichtig war vor allem ein eigenes Verbrennungsverfahren zu entwickeln um den Wirkungsgrad weiter zu erhöhen und vor allem die Lizenzgebühren in Valuta zu vermeiden. Es entstanden 244 Prototypen der weiterentwickelten Motoren-Baureihe MN 106 und MN 105 mit sechs und fünf geneigten Zylindern mit einer Leistung von 180 bzw. 150 PS. Die niedrig bauenden Motoren hatten einen Hub von 125mm und eine Bohrung von 120mm, was einen Hubraum von 8,48 und 7,07 Litern ergab. Die Motoren wurden u.a. auch in Ikarus- und Fleischer-Omnibussen erprobt. Bei diesen Motoren wurde erstmals das in Nordhausen entwickelte H-Verfahren angewandt. In dieser Motorenbaureihe wurden auch stehende Fünf- und Sechszylinder mit flachen Ölwannen für den Einsatz in Traktoren gebaut. Dann wird es richtig interessant. Heute ist das Common-Rail-Einspritzsystem das am meisten verbreitete Verfahren bei Dieselmotoren. Wer hat´s erfunden? …wieder nicht die Schweitzer! Der erste Motor, der dieses Verfahren besaß – ein MN 106 – steht im IFA-Museum. Dieser Motor wurde in einem W50 lange Zeit erfolgreich getestet. In die Serienfertigung gelangte er nicht. Die Wirtschaftsplaner unter der Führung des vollkommen unfähigen Günther Mittag hatten weitere für die DDR schädliche Fehlentscheidungen getroffen.   mehr zu nordhausener Prototypen

5 Zylindermotor 5 VD 13,5/12 SRF Baujahr 1983, 144 PS

Motor 6 VD 12,5/12-1 mit 150 PS für ZT 307 Baujahr 1975

IFA-Common-Rail Diesel MN 106, Baujahr 1979/85

Die Einspritzdüsen des IFA-Common-Rail Diesels

Der Motor für den L 60

Quellen: Steinmetz, W., Heber, A., Geiger, W.; IFA Nordhausen – 100 Jahre Geschichte. Sonderedition des IFA-Museum Nordhausen e.V.