DKW Fahrrad mit Hilfsmotor, Baujahr 1921 Motorradmuseum im Schloß Augustusburg, Sachsen

1921: DKW Fahrrad mit Hilfsmotor 

Die preiswerten und zuverlässigen DKW-Hilfsmotoren konnten an fast jedes Fahrrad angebaut werden und wurden insgesamt über 30.000 mal verkauft. Doch nicht jedes Fahrrad war den Kräften des Antriebs auf Dauer gewachsen. Der italienische DKW- Importeur Bruno Cavani baute die Motoren zentral in formschöne Rahmen ein. Auch einige Andere fertigten mit den DKW-Anbaumotoren schon nette kleine Motorräder. So bot Rasmussen ab 1922 robuste Fahrräder mit Vorderradfederung an, bei denen der Motor nicht auf einem mehr oder weniger wackeligen Gepäckträger befestigt war, sondern die Kräfte von entsprechend stabilen Streben aufgenommen wurden. Bald gab es modifizierte Motoren mit etwas mehr Hubraum und Leistung.

DKW Reichsfahrtmodell, Schloß Wildeck, Zschopau

Mit diesem Erzeugnis entwickelte sich DKW von einer Motorenfabrik zum Fahrzeughersteller.

1922: Das DKW Reichsfahrtmodell

Nachdem Hugo Ruppe aus der Firma ausgeschieden war, stellte Rasmussen den jungen Ingenieur Hermann Weber ein. Weber prägte in den kommenden Jahren mit seinen gelungenen Konstruktionen die erfolgreiche Entwicklung der Firma. Schon seine erste Schöpfung – das Reichsfahrtmodell – war ein großer Verkaufserfolg. Der Hilfsmotor war überarbeitet und mit einem Gebläse versehen worden. Es gab ihn nun mit 1,5 bis 2,5 PS Leistung aus 118 bis 143ccm Hubraum. 

Motor DKW Reichsfahrtmodell Schloß Wildeck

Mit einem Fahrrad mit DKW Hilfsmotor gewann der Berliner Max Hucke die ADAC-Reichsfahrt im Jahr 1921. Diese führte damals in drei Tagen und über eine Distanz von mehr als 800 Kilometern von Berlin über Leipzig, Erfurt, Eisenach, Fulda und Hanau nach Heidelberg. Zum Abschluß gab es noch ein Bergrennen auf den Königsstuhl mit bis zu 12 Prozent Steigung, das Hucke mit der schnellsten Zeit absolvierte. Die Plätze 2 und 3 belegten ebenfalls Fahrer auf DKW. Dieser phänomenale Erfolg führte zur Namensgebung für das erste „richtige“ Motorrad von DKW. Der Konstrukteur Hermann Weber erzielte bei der Reichsfahrt 1922 mit dieser neuen DKW nicht nur den Klassensieg, sondern wurde auch bester aller Motorradklassen. 

DKW ZL, Baujahr 1923 Motorradmuseum im Schloß Augustusburg, Sachsen

1923: DKW ZL – Das Zschopauer Leichtmotorrad

Das ZL zeigt einen weiteren Schritt zum „richtigen“ Motorrad. Der Motor des Reichsfahrtmodells wurde nun in einen Rahmen mit viel tieferen Schwerpunkt verbaut. Dazu fiel das Tretlager mit Pedalen weg. Die Füße des Fahrers ruhten nun auf breiten Trittbrettern. Wie beim Vorgänger wurde die Drehzahl vom Motor mit einer Untersetzung 1 : 3 zur Welle der Riemenscheibe verringert. Neu war, dass an der Riemenscheibe eine Kupplung angebracht war, die mit einem Handhebel am Tank betätigt werden konnte. Das Fahrzeug hatte wie das Reichsfahrtmodell also nur einen Gang, aber immerhin eine Kupplung. Diese Kupplung war aber schon zuvor beim Roller Golem verwendet worden.

Zschopauer Leichtmotorrad Schloß Wildeck, Zschopau

Zschopauer Leichtmotorrad Schloß Wildeck, Zschopau

DKW ZM, Baujahr 1924, Motorradmuseum im Schloß Augustusburg, Sachsen

1924: DKW ZM (Zschopauer Modell)

In den Rahmen des ZL wurde ab 1924 eine neue Baureihe von Motoren eingebaut. Diese gab es mit 128, 170, 175, 181 und 206 Kubikzentimetern Hubraum und mit 2, 2,5, 3, 3,25 und 3,5 PS. Das Besondere war, dass diese Triebwerke nicht nur Korkscheibenkupplungen hatten, sondern auch  Kickstarter und handgeschaltete Zweiganggetriebe. Die Kraftübertragung auf das Hinterrad erfolgte aber weiterhin mit einem Riemen. Die Auspuffanlagen hatten eine Klappe, mit der von „Orts“- auf „Überlandverkehr“ umgeschaltet werden konnte. Außerorts wurden die Fahrzeuge damit richtig laut.

DKW SM Baujahr 1924/25

1924: DKW SM – Das Stahlmodell

Die Motorenbaureihe des ZM wurde hier ein ein neues Fahrgestell aus Blechprägeteilen mit integriertem Tank eingebaut. Die Pendelgabel bestand ebenfalls aus Blech. An diesem m.E. formschönen und modernen Motorrad kam es aber oft zu Rissen an den Blechen, auch am Tank, so das diese Bauart nach etwa 1000 verkauften Exemplaren ab 1925 nicht mehr hergestellt wurde.

E 206 Baujahr 1928, Museum für sächsische Fahrzeuge Chemnitz

1926: E 206 – 1. am Fließband gefertigte DKW

In den Vereinigten Staaten von Amerika ereignete sich nach dem 1. Weltkrieg ein Phänomen, das auch heute noch fehlinterpretiert wird. Letztlich waren die Mechanismen, hinter dem vermutlich intuitiv getätigten Ausspruchs Henry Fords;  „Autos kaufen keine Autos“ die Grundlage für den Wirtschaftsboom der westlichen Welt, doch niemand hat es wirklich begriffen. Diese Entwicklung auf Deutschland zu adaptieren, erschien zunächst illusionär. Zu den Leuten, die das trotzdem versuchten, gehörte J. S. Rasmussen. Im Jahr 1925 wurden in seiner Fabrik Standarts bei Fertigungstoleranzen erreicht, die eine Fertigung am Fließband ermöglichten. Das Modell E 206 stellt somit einen Meilenstein auf dem Weg zum „deutschen Wirtschaftswunder“ dar.

DKW E 206, Ausführung mit Riemenantrieb, Baujahr 1925, Museum für sächsische Fahrzeuge Chemnitz

Motor DKW E 206 Ausführung mit Kette, Baujahr 1928, Museum für sächsische Fahrzeuge Chemnitz

DKW E 200, Baujahr 1928 August Horch Museum

DKW E 200

Nachdem Motorräder bis 200ccm in Deutschland als Leichtkrafträder eingestuft und steuerfrei gestellt wurden, verringerte DKW den Hubraum seines Basismodells um wenige Kubikzentimeter. Der Umsatz stieg sofort und es konnten so insgesamt 70.000 Exemplare verkauft werden. Eine Zeit lang wurden diese Modelle parallel sowohl mit Riemen- als auch mit Kettenantrieb verkauft. So wurden die deutschen Massen motorisiert, wenngleich sie bei Regen noch einigermaßen naß wurden.

DKW E 300 beim Oldtimertreffen in Pegau 2016

1927: DKW E 250 und E 300

Neben den leistungsfähigeren Motoren weist auch das Fahrwerk viele Innovationen auf. Die seltsamen Pendelgabeln sind einer soliden Parallelogrammgabel gewichen. Der Rahmen ist etwas weiter, um das separate Dreiganggetriebe aufnehmen zu können, das mit einer Kette das Hinterrad antreibt. Auf dessen Vorgelegewelle sitzt eine solide Kupplung, die über die Primärkette vom Motor angetrieben wird. Der Motor leistete nun 6 (250ccm) oder 8 PS (300ccm)

DKW E 300 Baujahr 1928 beim Oldtimertreffen in Pegau 2016

DKW E 300 Detail Motor u. Getriebe Pegau 2016

DKW Special 200, Baujahr 1929 Schloß Wildeck

1928: DKW Special 200 (Schüttoff)

Die DKW Special 200 wurde bei der Schüttoff AG in Chemnitz produziert. Die Motorenwerke J.S.Rasmussen waren im Jahr 1928 Mehrheitseigner der AG geworden. Während die Zschopauer Modelle mit dem 200ccm-Triebwerk der E200 mit nur zwei Gängen im Blechteil-Fahrgestell gefertigt wurden, hatte die Special 200 einen Rohrrahmen und ein Dreiganggetriebe. Auf ein Gebläse konnte verzichtet werden. Der Einstecktank war meist braun lackiert.

DKW Luxus 200, Baujahr 1929 Museum für sächsische Fahrzeuge Chemnitz

DKW Luxus 200

Der Motor der E 200 wurde unverändert in das neue Modell mit einem Rahmen aus Blechprofilen übernommen. Auch die neue Parallelogrammgabel war aus gestanzten Blechprofilen gefertigt. Es wurde ein neuer Satteltank verbaut, der im Kontrast zum schwarzen Fahrgestell leuchtend rot lackiert war. Der Volksmund bezeichnete diese Modelle schnell als Blutblase, ein Ausdruck, der sich noch lange erhielt. Von der Luxus 200 wurden etwa 10.000 Stück verkauft.

DKW Luxus 200, Schloß Wildeck, Zschopau

DKW Luxus 300, Baujahr 1929, Motorradmuseum im Schloß Augustusburg, Sachsen

1929: DKW Luxus 300

Wie die Luxus 200 hat die Luxus 300 nun eine Parallelogrammgabel aus gestanzten Blech. Neben dem auffälligen roten Satteltank ist das große Alugehäuse des Auspuffes am Zylinder ein auffälliges Merkmal. Von der Maschine wurden etwa 6000 Stück gebaut.

Schon im Jahr 1928 erreichte DKW eine Jahresproduktion von 60.000 Stück und war damit das größte Motorradwerk der Welt. In diesem Jahr wurde etwa 65 % aller deutschen Motorräder von DKW-Motoren angetrieben.

Quellen:  Ausstellungskatalog, Museum für sächsische Fahrzeuge e.V., Chemnitz, HB- Werbung und Verlag GmbH & Co KG, Chemnitz                          Porazik, Juraj, Motorräder aus den Jahren 1885 bis 1940, Slovart, 1983                                                                                                      Ottinger, Steffen, DKW Motorradsport  1920 – 1939, HB- Werbung und Verlag GmbH & Co KG, Chemnitz                                                        Meinig, Uwe, Motorradmuseum im Schloß Augustusburg, Austellungskatalog, 2014, Augustusburg/Scharfenstein/Lichtenwalde                      Schlossbtriebe GmbH