DKW Sesselrad Golem

Die Idee des Motorrollers mit bequemen Sitz statt schmalem Sattel und der Möglichkeit, ohne die Beine weit hoch zu heben, beispielsweise auch mit Rock oder Kleid, das Fahrzeug besteigen zu können, stammt aus den USA. Dort gab es bereits innovative oder auch kuriose Versuche diese Ideen umzusetzen, wie beispielsweise der Firma Ner-a-Car Syracuse oder die putzige Roller der Autoped Company of America, die ab 1919 auch von Krupp in Deutschland in Lizenz hergestellt wurden. Im Jahr 1921, also schon vor den ersten motorradartigen zschopauer Zweirädern, versuchte man in Zschopau mit den DKW-Zweitaktmotoren solche Gefährte zu motorisieren. Das Sesselrad Golem hatte recht kleine Räder und einen Tragegriff, mit dem man das nur 45 Kilogramm leichte Teil schnell mal beiseite stellen konnte. Das Vorderrad war mit einem zentralen Federbein, der breite gepolsterte Sitz mit zwei rudimentären Querblattfedern etwas gefedert. Ohne Dämpfung dürfte das Fahrzeug aber auf dem Kopfsteinpflaster ziemlich umhergehopst sein. Verglichen mit den heute von korrupten Behörden überall zugelassenen E-Rollern hatten sie aber ein solides Fahrverhalten. Auch in weiteren Bereichen hatten sie, verglichen mit dem Reichsfahrtmodell, aber auch den Modellen  ZL, ZM und SM moderne Attribute, wie Kupplung und Kettenantrieb. 

DKW Sesselrad Golem, Schloß Wildeck Zschopau

DKW Sesselrad Golem, Detail Motor, Schloß Wildeck

DKW Sesselrad Lomos

Das Sesselrad Lomos hatte etwas größere Räder und neben der Federung des Vorderrades mit Kurzschwinge und zentralem Federbein wie beim Golem, eine Langschwinge mit zwei Federbeinen hinten. Diese Konstellation setzte sich erst in den fünfziger Jahren im Motorradbau allgemein durch. In diesem Detail war das Fahrzeug dem allgemeinen Trend etwa dreißig Jahre voraus. Trotzdem setzten sie sich diese frühen Motorroller auf dem Markt nicht durch und verschwanden bald aus dem Produktionsprogramm.

DKW Sesselrad Lomos, Baujahr 1922, Motorradmuseum Schloss Augustusburg, Sachsen 

DKW Roller Lomos unrestauriert im PS-Speicher Einbeck

Quellen:  Ausstellungskatalog, Museum für sächsische Fahrzeuge e.V., Chemnitz, HB- Werbung und Verlag GmbH & Co KG, Chemnitz                          Porazik, Juraj, Motorräder aus den Jahren 1885 bis 1940, Slovart, 1983                                                                                                      Ottinger, Steffen, DKW Motorradsport  1920 – 1939, HB- Werbung und Verlag GmbH & Co KG, Chemnitz                                                        Meinig, Uwe, Motorradmuseum im Schloß Augustusburg, Ausstellungskatalog, 2014, Augustusburg/Scharfenstein/Lichtenwalde                    Schlossbtriebe GmbH