(in Arbeit)

Prototyp Boxermotor B 11 in der Automobilen Welt Eisenach

Der Viertakt-Boxermotor B 11 (1957 – 1960)

Obwohl Ende der fünfziger Jahre Zweitaktmotoren noch nicht als überholt galten und nicht nur in Japan, sondern auch in Schweden bei Saab und in der BRD bei DKW/Auto-Union/Victoria/Zündapp u.v.m. gefertigt und verkauft wurden, bestand die Tradition in Eisenach eher im Bereich gepflegter Viertakt-Motoren, wie sie durch die Marke BMW bekannt waren und begehrt wurden. Der frontgetriebene EMW (Wartburg) 311 sollte auch einen laufruhigen, sparsamen Viertaktmotor erhalten. Die Herausforderung bestand darin, den Motor (Baulänge) kurz und kompakt zu halten. Dies war nun mit dem Motor B 11 hervorragend gelungen. Die Baumuster wurden erfolgreich erprobt und leisteten 45 PS aus 1088ccm. Die alles bestimmende Partei- und Staatsführung bevorzugte aber den Zweitaktmotor, der weniger Bauteile, geringeren Materialeinsatz und vor allem keine weiteren Investitionen erforderte. Die Wartburgs wurden dem Werk auch so aus den Händen gerissen – zumindest auch bis zuletzt – im Binnenmarkt.

Wartburg P 100 Prototyp, Foto: B. Hofmann

Der P 100 – ein bildschöner Mittelmotor PKW

Schon der Wartburg 311 war in einem Akt zivilen Ungehorsams hinter dem Rücken der Regierenden entwickelt worden. In der Ära Ulbricht konnte man aber damit wenigstens noch nachträglich überzeugen und mit einem international konkurrenzfähigem Produkt einfach mal Fakten schaffen. Dem Ingenieur war auch in dieser Zeit nichts zu schwör. Weder Materialmangel noch die brutale Inkompetenz der „Wirtschaftslenker“ konnten ihn entmutigen. Zumindest in den sechziger Jahren sprudelte die Kreativität noch aus allen „Knopflöchern“ – einigermaßen zum Grauen des Wirtschaftsministeriums. Einige Modelle und Prototypen haben die „Vernichtungsbefehle“ überstanden. Zu den formschönsten gehören die Versionen des P 100 und des Wartburg 313-2. Die Motoren waren in Unterflur-Anordnung quer eingebaut.

P 100 Coupé Modell in der Automobilen Welt Eisenach

Mittelmotor in Unterflur-Anordnung des P 100

Wartburg 355 Coupé in der Automobilen Welt Eisenach

 Wartburg 355 Coupé, Prototyp

Auf der Grundlage von Zeichnungen von Hans Fleischer wurde 1968 ein formschönes Coupé entwickelt. Das Fahrgestell wurde nahezu unverändert vom Wartburg 353 übernommen, die Motorleistung aber auf 55 PS gesteigert. Es war geplant, eine Kleinserie dieses Typs mit GFK-Karosse aufzulegen. Die Entwicklung wurde aufgegeben. Es gab 6 Prototypen.

Wartburg Kübelwagen, Baujahr 1971 in der Automobilen Welt Eisenach

Wartburg 353/400 Kübelwagen

Auf der Grundlage des Wartburg 353-Fahrgestells wurden ab 1969 6 Prototypen mit Wartburg- und zwei Stück mit Viertaktmotor (Dacia) gebaut. Die schwimmfähigen Wagen sollten in der Land- und Forstwirtschaft und bei der GST zum Einsatz kommen. Die Entwicklung wurde eingestellt. Das Fahrzeug, das im Museum „Automobile Welt Eisenach“ zu sehen ist diente Stasi Chef Erich Mielke als Jagdwagen. Zum Transport der Wildstrecke konnte hinten eine Ladefläche aus Stahlrohr herunter geklappt werden.

Wartburg Kübelwagen, Baujahr 1971

Wartburg 353 Kübel bei der Oldtema, Halle/S., 2006 

Automatik-Getriebe 400, Baujahr 1975 in der Automobilen Welt Eisenach

Prototyp Automatik-Getriebe 400

AWE arbeitete ab 1971 zusammen mit dem WTZ Automobilbau Karl-Marx-Stadt, der Hochschule für Verkehrswesen Dresden und Renak Reichenbach an der Entwicklung eines Automatik-Getriebes. Das links abgebildete Getriebe ist ein Versuchsmuster aus dem Jahr 1975. Es war geplant die RGW-Autos, die bei Skoda, sowie in Zwickau und Eisenach gebaut werden sollten, wahlweise auch mit diesen Getrieben auszustatten. Ende der siebziger Jahre wurden von den Staatslenkern alle diesbezüglichen Entwicklungen gestoppt.

Die Leistung des Prototyps Motor 400 wurde mit 82,7 PS gemessen.

Prototyp Motor 400

Unter der Leitung von Konrad von Freyberg wurde ab 1968 ein Viertaktmotor mit obenliegender Nockenwelle entwickelt. Es war der erste Motor mit Zahnriemen und gegossener Kurbelwelle in der DDR. Auf dem Prüfstand wurde eine Leistung von 82,7 PS gemessen. Eine weitere Entwicklung wurde 1972 gestoppt.

Motor 400 „Löwe von Buchenau“ in der Automobilen Welt Eisenach

Motor 400 – der erste Motor mit Zahnriemen in der DDR

Prototyp 610 M/1, Baujahr 1978  in der Automobilen Welt Eisenach

Prototyp 610 M/1

Dieser Typ hatte, wie der etwas kleinere Grundtyp 610, der in Zwickau gefertigt werden sollte, eine selbsttragende Karosse. Das in Eisenach ausgestellte Funktionsmuster hat einen Dacia-Motor. Es war geplant, die Fahrzeuge mit Skoda-Motoren zu produzieren. Das Politbüro der SED brach die gemeinsamen Entwicklungen von Skoda, AWE und Sachsenring, die schon weit gediehen waren, im Jahr 1979 ab. Der 860 kg leichte Wagen hatte mit dem Dacia-Motor 55 PS.

Prototyp Motor 234

Motor 234

Dieser Dreizylinder-Viertaktmotor hätte, ohne größere Änderungen an den Fahrgestellen, in die Wartburg- und Barkas-Fahrzeuge eingebaut werden können. Von den Wirtschafts-Verantwortlichen wurde aber die Einführung des VW-Motors durchgesetzt, die große Investitionen bei der Abänderung der Fahrzeuge für den wesentlich größeren Motor verursachte. Der OHC-Motor mit Zahnriemen schöpfte 60 PS aus 1200 ccm Hubraum. Von 1981 bis 1984 wurden 14 Versuchmotoren gebaut und in B 1000- und Wartburg 353W-Fahrzeugen erfolgreich erprobt.

Prototyp Wartburg-Tourist mit längs eingebautem VW-Motor

Wartburg 353 Tourist mit längs eingebauten VW-Motor

Nachdem die Motoren vom Typ 234 nicht mehr weiterentwickelt werden durften, wurden VW-Motoren im Wartburg erprobt. Dazu musste der Bug um etwa 100mm verlängert und neue Presswerkzeuge angefertigt werden. Die Vorserienfahrzeuge fuhren eine Zeit lang in der Republik umher und bekamen bald den Spitznamen „Riesenschnauzer“. Danach wurde entschieden, das Fahrgestell für einen Quereinbau umzuändern. Dafür mussten auch ein neues Getriebe und neue Antriebswellen entwickelt werden.

Wartburg 1.3 „New Line“  in der Automobilen Welt Eisenach

Wartburg New Line Prototyp

Ab November 1989 gingen die Verkaufszahlen des Wartburg 1.3 dramatisch zurück. Die Firma Irmscher/Remshalden verbesserte 1990 das Design durch Spoiler und Alu-Felgen und legte das Fahrwerk geringfügig tiefer. Das Fahrzeug erregte auf der Herbstmesse 1990 in Leipzig reges Interesse, konnte aber den Rückgang des Absatzes nicht mehr aufhalten.

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Quellen: Verein Automobilbau-Museum Eisenach e.V., Kuratorium, Leitung: Konrad von Freyberg, 1. Auflage 2007