StartseiteUncategorizedADMV Classic Cup in Köthen 2021

Der Lauf des ADMV Classic Cup in Köthen ist seit Jahren in Mitteldeutschland und darüber hinaus eine feste Größe. Am 2. und 3. Oktober 2021 kamen deshalb aus ganz Deutschland, Österreich, Polen und Tschechien Motorsportler, Besitzer sehenswerter historischer Fahrzeuge in die Stadt Sachsen-Anhalts. Die Veranstaltung fand unter der 3-G-Regel statt. Teilnehmer und Besucher, welche keinen Nachweis dabei hatten, konnten schnell und problemlos vor Ort getestet werden. Wie immer war vom MC Köthen e.V. alles perfekt organisiert worden. Für mich als ehemaligen Formel-Fahrer gab es eine schöne Überraschung. Endlich waren wieder Formelfahrzeuge am Start. Zwei Sportfreunde aus Tschechien brachten sehenswerte Formel 3 Fahrzeuge mit Wartburg-Motoren mit, über deren Originalität ich zur Zeit noch nichts sagen kann. Jedenfalls waren sie bildschön aufgebaut. Etwas matter glänzte das Aluminium des Melkus Typ 64 mit dem Leo von Sahr über den Kurs des Wattrelos Rings röhrte. Das Fahrzeug aus dem Jahr 1964 ist zweifellos original, eine echte Kostbarkeit. Genauso unverwechselbar ist ein Fahrzeug, was absolut auf diesen Kurs gehört; das Unikat des E 600 welches Siegfried Schulz in Köthen baute und auf den Rennstrecken der DDR erfolgreich pilotierte. Sehr interessant für mich war es auch einmal „West-Technik“ des Formelrennsports aus der Zeit der melkusschen Renn-Zigarren zu sehen. Maik Kralik brachte einen Lotus mit Ford-Cosworth-Motor aus dem Jahr 1969 mit. Denke ich an diese Fahrzeuge, dann ruft es in mir; „mehr, mehr“. Ich freue mich schon auf nächstes Jahr.

Nach einigen Jahren endlich wieder dabei: Formelrennwagen hier:  Leo von Sahr im Melkus Bj. 1964

Der Formel E 600 den einst Siegfried Schulz in Köthen baute und pilotierte.

Formel 3 Wartburg eines Sportfreundes aus Tschechien

Formel 3 Wartburg Replik

Maik Kralik aus Borsdorf bringt einen Lotus Baujahr 1969 an den Start.

Lotus Detail Antrieb Ford Cosworth

Jedes Jahr gibt es – neben den vielen alten Bekannten – Fahrzeuge zu sehen, die zwar bei weitem nicht neu, was das Baujahr betrifft, aber neu auf dem Wattrelos-Ring sind. Der wunderschöner Alpine mit Saugmotor, ganz ohne Turbo und Elektronik von Peter-Carsten Kilian aus Berlin begeisterte nicht nur mich. Neben dem unglaublich schnellen NSU Prinz von Detlef Schmidt-Glinecke, der in den letzten Jahren Tourenwagen mit mehr als doppelt so viel Hubraum auf der Strecke regelrecht „stehen ließ“, wurde ein weiteres Exemplar der Marke aus Neckarsulm von Alex Follmann an den Start gebracht. Aus den kleinen luftgekühlten Motoren ohne Turbolader und Elektronik wurden auch damals schon über 120 PS herausgeholt. Damit lassen die leichten Wagen auf kurvenreichen Strecken auch moderne Renner hinter sich. Die Rolle des Fahrzeuggewichtes wird von den vielen Menschen mit ungenügenden Physikkenntnissen offenbar grundsätzlich nicht begriffen. Die sollen aber auch auch heutzutage Sportwagen mit Leermassen, die früher Baumaschinen nicht schlecht zu Gesicht gestanden hätten, kaufen. Und hiermit sind wir bei dem, was für mich bei solchen Veranstaltungen das Wichtigste ist; die Präsentation und Pflege technikhistorischen und damit auch kulturhistorischen Kulturgutes auf spannende Art. Viele jüngere Leute wissen nicht, dass NSU neben den hübschen wendigen Kleinwagen, die schnellsten Motorräder der Welt und den wohl innovativsten PKW aller Zeiten überhaupt baute, den Ro 80. Sie kennen nicht die technisch extrem fortschrittlichen Konstruktionen von Borgward, oder den ersten Rennsportwagen mit Dieselmotor von Hanomag. Sie glauben, dass wer vom Markt verschwandt, schlecht war. Sie wissen nicht, das Borgward zu keinem Zeitpunkt zahlungsunfähig war, aber trotzdem in die Pleite getrieben wurde. Dies ist hier aber nicht der Ort wo….     

…das mach ich später mal…

Jedenfalls gab es Zeiten, wo Menschen sich so etwas, wie eine Art Identität „leisteten“, zu der auch Marken ihrer Kulturen gehörten. Ein Schwede konnte auf seinen Volvo stolz sein und nicht nur Norddeutsche auf beispielsweise einen Borgward Isabella. Doch unsere globale Welt wird ausschließlich vom Geld regiert und selbst der arroganteste Manager ist ein vom System Getriebener mit geringen Gestaltungsspielraum. Was waren das noch für Zeiten, als Leute wie Ehrhard und Horch selbst Rennen fuhren. Autos werden heute zum nicht ganz unerheblichen Teil von Robotern zusammengepunktet. Häufig sind die Menschen in den riesigen Werkhallen nur noch Handlanger, Zureicher der Maschinen, an den Stellen, an denen sich Roboter in Zeiten des Mindestlohns noch nicht lohnen. Wer will sich mit so etwas noch identifizieren? Ich nicht! Tradition, Identität, das ist etwas, was unserer Jugend regelrecht aberzogen wird. Wer diesen Mißstand auch nur andeutet, wird sofort in die rechte Ecke gestellt. Meines Erachtens wird die nachträgliche Annahme einer Identität von den Trabant-Freunden am konsequentesten demonstriert. Der damals meistverspottete Kleinwagen ist auch bei einem großem Teil der nicht nur ostdeutschen Jugend zum Kult geworden. Wer hätte das gedacht und woran könnte das nur liegen?

…das begründe ich später mal…

 NSU Prinz Baujahr 1967 von Detlef Schmidt-Glinecke mit Doppel-Webern, Doppelzundung und richtig Power

Alex Follmann aus Landscheid mit einem weiteren Neckarsulmer Kleinwagen Baujahr 1970

Die zahlreich angetretenen Trabanten lieferten sich in eigenen Läufen sehenswerte Positionskämpfe

Henry Rudolph  zieht an Klaus Oßmann vorbei

Olaf Reich aus Burg im (Lada) WAS 2101 Baujahr 1980

Peter-Carsten Kilian im Renault Alpine Baujahr 1984

Bei den Motorrädern war, wie zu erwarten, die Diversität am größten. Allein von der 1911 in Italien gegründeten Marke Benelli waren Zwei- und Viertakter mit ein, zwei, vier und sechs Zylindern zu sehen, vor allem aber zu hören. Heutzutage gehört die Marke, die von den Benelli-Brüdern mit unzähligen Rennsporterfolgen zu einer stolzen, nationalen und traditionsreichen Firma entwickelt wurde, einem chinesischen Konzern, der in Europa vor allem seine Roller vertreibt. Doch das soll uns an dieser Stelle nicht verdrießen. Es gab jede Menge geniale Technik zu sehen, zu hören und zu riechen. Viele fuhren auch noch richtig schnell. Andreas Krötzsch konnte ich nicht richtig scharf abbilden. Er war einfach zu schnell. Dafür standen mir die Nackenhaare aufrecht. Nicht nur Hondas und Benellis haben diesen Sound – auch Yamahas und deshalb kommt man zu solchen Veranstaltungen. So ein Viertakt-Sound aus Megafon-Trichtern geht durch Mark und Bein – herrlich. Aber auch so mancher Zweitakter ließ aufhorchen. Rainer Liebe summte mit seiner Replik der Zweizylinder-Minimot wie ein Bienchen sehr schnell um den Kurs. Das Sportgerät der Schnapsglas-Klasse hatte er zusammen mit Bernd Birzer aufgebaut. Liebe startete in einer weiteren Klasse mit einer gewaltigen Harley. Mit ähnlicher Geschwindigkeit, aber fast vierfacher Masse passierte er die Schikane. Er war in der DDR lange Zeit in den kleinen Klassen sehr erfolgreich. Auch heute in fortgeschrittenem Alter ist sein Körper noch gestählt. Er schüttelte sich nicht einmal, bevor er nur wenige Sekunden nach dem Sturz mit dem schweren amerikanischen Zweizylinder weiterfuhr. Einen weiteren Recken aus dieser Zeit und Hubraumklasse traf ich ebenfalls in Köthen. Ralf Schaum war diesmal ohne Fahrzeug gekommen. Das bedeutet aber keineswegs, das er sich zur Ruhe gesetzt hätte, wie die Meisten seines Alters. Er hat immer irgendetwas in Arbeit. Unlängst hat er den E600-Monoposto von Sportfreund Vater gekauft. Dieses Fahrzeug hat eine lange bewegte Geschichte. Bevor es mit einem Trabant-Motor versehen wurde, fuhr es mit einem Lada-Motor in der B 8 oder Formel E 1300. Doch seinen ersten Auftritt hatte es als Formel-Junior mit einem der talentiertesten ostdeutschen Formelfahrer überhaupt. „Rascha“ will es in seinen Urzustand zurückversetzen. Ich bin sehr gespannt. Doch noch vorher plant er wieder ein Treffen in seiner Gaststätte. Diesmal zum Thema Rennmotorräder in der Schnapsglasklasse. Seine letzten Veranstaltungen waren großartig. Ich darf mir hier was wünschen; Das alle 50ger-Spezialisten im Februar 2022 da mit dabei sind. 

Rainer Liebe ist mit seiner Replik der Zweizylinder-Minimot schnell unterwegs.

Auch beim Sturz ein Könner. Doppelstarter Rainer Liebe fährt wenige Sekunden später mit seiner Harley weiter.

sehenswerter filigraner Extremleichtbau

Andreas Krötzsch auf  „Augen- und Ohrenweide“ Kawasaki

Einer der wenigen für die Ostdeutschen positiven Punkte des Einigungsvertrages war, dass die Mopeds weiterhin 60 km/h fahren durften. (Bitte nicht verwechseln: Vereinigung im Wesentlichen positiv, Vertrag für Ostdeutsche aber eher nachteilig) Ich wünsche mir, dass wir diesen einen der wenigen für uns positiven Paragraphen bis zum Ende aller Tage beibehalten können. Wir werden mit unseren dann uralten Schwalben an den albernen Chinarollern vorbeiziehen, dass es denen vorkommt, als wären sie auf der Fahrbahn festgeschraubt. Das ich nicht der einzige mit so ähnlichen Gedanken bin, sieht man am Wochenende im Straßenbild und bei diesen Veranstaltungen. In Köthen war eine sehenswerte Ausstellung und Präsentation zu sehen. Noch mehr fand sich auf den Besucherparkplätzen ein. Die ehemaligen Werktätigen des VEB Simson Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk Suhl können ernsthaft stolz sein. „Seid stolz!“, meint Mathias Hoffmann, Leipzig

Sehenswerte Ausstellung von DDR-Fahrzeugen

Beliebt und noch häufig auf den Straßen zu sehen: Simson-Mopeds und Mokicks.


Kommentare

ADMV Classic Cup in Köthen 2021 — 1 Kommentar

  1. Ich war auch in Köthen und es hat mir sehr gut gefallen. In dem Zusammenhang hast Du einen wunderbaren Artikel geschrieben, ich glaube du wirst mir nicht böse sein, wenn ich diesen in der Facebook Gruppe „GDR-Race-Memorys“ verlinke.

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