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Eine Rezension von Mathias Hoffmann

Nicht nur kulturaffinen Leipzigern ist der Passage-Verlag durch das hervorragende Magazin „Leipziger Blätter“ bekannt. Seit 1991 wird es unter der Leitung von Thomas Liebscher herausgegeben. Es hat zwar nur eine Auflage von 2500 Exemplaren, jedoch muss man von monatlich mindestens 10.000 Lesern ausgehen, da es von Hand zu Hand an die vielen Interessenten weitergereicht wird. Einige Ausgaben des kulturgeschichtlichen Periodikums kann man als bibliophile Kostbarkeiten bezeichnen. Sie sind gesuchte Sammlerstücke.

In gewissen Abständen gibt der Verlag Sondereditionen heraus. Die Aktuelle unter dem Titel „Leipzig Automobil. Geschichte, Geschäfte und Leidenschaft“ möchte ich nicht nur lokalen Automobilisten ans Herz legen. Sie ist ein Beispiel auf welchem Niveau man sich mit Aspekten um das Thema Mobilität beschäftigen kann. Es ist eine Wohltat, zu lesen, wie beispielsweise Thomas Kirstein die Geschichte des Automobils in den Kontext von Zeit und Gesellschaft einordnet und weit über jenen Tellerrand schaut, der gewöhnlich von der Literatur über dieses Thema gebildet wird.

Im Beitrag von Enrico Hochmuth wird, bebildert von frühen Belegstücken der Fotografie, die Entwicklung vom Pferd zur Pferdestärke dokumentiert. Bilder von Ausspannhöfen oder dem Fuhrpark der bereits 1884 in Leipzig gegründeten Konsum-Genossenschaft (die war keine Erfindung der DDR) belegen die Entwicklung vom Pferdefuhrwerk, über Gefährte mit Elektroantrieb hin zum Kraftfahrzeug mit Verbrennungsmotor. Michael Liebmann erzählt nicht nur detailliert die Geschichte lokaler Firmen, wie Lipsia und MAF. Man erfährt, wie aus der Polyphon-Musikwerke AG durch die Lizenzproduktion des amerikanischen „Olds Mobile“ ab 1906 schließlich die Dux-Werke wurden. An der weiteren Entwicklung der Firma, beispielsweise der Eingliederung in den deutschen Automobil-Konzern (DAK), die Rüstungsproduktion mit Büssing-Panzerspähwagen und die Beherbergung eines Reparaturwerkes der Sowjetarmee, bildet sich auf typische Weise die deutsche Geschichte ab. Es finden sich Bilder von den allerersten Automobilisten, den ersten Unfällen und den ungewöhnlichsten Konstruktionen.

Gleich mehrfach wird auf das Thema Elektromobilität eingegangen. Die Firma Bleichert war nicht nur eine der größten Firmen, welche Seilbahnen herstellten. Die Linie hinauf zum Zuckerhut im brasilianischen Rio de Janeiro läuft heute noch. Weniger bekannt ist, wie viele verschiedene Elektrofahrzeuge dort hergestellt wurden und wie verbreitet sie damals bereits waren. Hier beginnt ein Bogen, der schließlich bei den aktuellen Produkten von Porsche und BMW endet, bei denen der Elektroantrieb eine immer größere Bedeutung einnimmt. Bert Hähne und Gerhard Otto berichten über den Motorsport in und um die Messestadt. In den Fünfzigern war das Leipziger Stadtparkrennen einer der wichtigsten Termine im noch gesamtdeutschen Straßenrennsport. Am Cottaweg wurde das Motodrom erbaut und die internationale Messerallye war DDR-Meisterschaft mit Beteiligung vieler Teams aus den sozialistischen Ländern. Es ist hier nicht der Raum alles auch nur anzuführen. Besorgen Sie sich dieses Buch. Es lohnt sich!

 


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