StartseiteUncategorizedOldtimer & Teilemarkt auf dem AGRA-Gelände Markkleeberg 2020

am 20. September dieses seltsamen Jahres konnten Oldtimerfreunde endlich wieder ihre Schätze in größerer Quantität präsentieren, begutachten und handeln. Es wurde wieder gefachsimpelt, gestaunt und rumgealbert – wunderbar. Es waren etwa 800 Fahrzeuge zu sehen, 300 Händler boten ihre Waren an und ca. 3000 Besucher hatten auf dem großen Messegelände genügend Platz um die ordnungsungsgemäßen Abstände einhalten zu können. Man staunte über den kleinen Sachs-Kreiskolbenmotor genauso wie über den riesigen sowjetrussischen KRAZ 6 x 6, der dem Klang nach mit einem Turbolader, vermutlich vom K 700, nachgerüstet worden war. Ich möchte mit den unten eingefügten Bildern Exponate zeigen, die mich persönlich am meisten interessiert haben. Als Freund der Artenvielfalt möchte ich die Gelegenheit nutzen und an eine Zeit erinnern, in der es eine ungeheure Diversität an Herstellern gab und viele Völker in Marken ihrer Länder Identifizierungsobjekte sehen konnten, wenn sie wollten. Es gibt inzwischen die Tendenz, die „Sprachregelung“ einiger, die einen beim Versuch der Besinnung auf eine Identität in eine bestimmte Ecke stellen will.

Einige Händler hatten viele Scheunenfunde vermutlich überwiegend aus Süd- und Osteuropa herbeigeschafft – Teile, wo man ernsthaft überlegte, noch ein neues Projekt anzufangen, obwohl das ein oder andere alte noch gar nicht fertig war und ist. So erfreute ich mich am Anblick des knuffigen ISO 125. Dessen italienischer Hersteller Isothermos baute einst in Bresso nicht nur Kühlanlagen sondern auch Motorroller und Motorräder. Der rundliche Zweitakter hatte noch einen größeren Bruder mit 250 Kubikzentimetern Hubraum. ISO baute um dieses Viertelliter-Triebwerk auch noch ein Autolein herum, welches sie Isetta nannten. Die Isetta wurde ein großer Erfolg und auch bei anderen Herstellern in Lizenz gebaut. Bei BMW wurde der ISO-Motor dann durch einen eigenen Einzylinder-Viertakter aus dem Motorradbau ersetzt. Dieser Motor wurde ab 1955 mit einem Gebläse versehen und leistete 12 PS. Die Isetta, war mit 130.000 Exemplaren das erste in Westdeutschland in größerer Stückzahl gebaute mehrspurige Fahrzeug der Bayrischen Motorenwerke. Bis dahin waren die BMW-Autos im wesentlichen in Eisenach hergestellt worden. Die Firma ISO und ihr Eigentümer Renzo Rivolta wurden ab 1962 vor allem durch die luxuriösen Gran-Tourismo-Wagen ISO Rivolta 300 und den Hochleistungssport- wagen ISO Grifo bekannt, deren Stückzahlen natürlich nicht annähernd die der kleinen „Knutschkugel“ erreichten.

ISO 125 der italienischen Firma Isothermos

Simson Schwalbe eines humorvollen Mopedfreunds

Mit „Kugelmotor“: Gilera 150 Sport

Auch aus Italien: Motom 48 Viertakt-Moped

Schrott oder neues Projekt? Krad mit Stainless-Motor

Bereits restauriert und im Osten selten: NSU Supermax

Eine der ältesten und renommiertesten italienischen Motorradhersteller war Gilera. Schon das erste Modell Guiseppe Gileras erreichte mit seinen 317 Kubikzentimetern im Jahr 1909 eine Geschwindigkeit von 105 Stundenkilometern. Nach den ersten Erfolgen seiner mailänder Fabrikate errichtete der geniale Konstrukteur und begnadete Rennfahrer eine größerer Fabrik in Arcore in der Nähe von Monza. Es ist hier nicht möglich, die Modelle und vor allem die Erfolge im Rennsport aufzulisten. Die Gilera-Werksmannschaft gewann auch beispielsweise die Sechstagefahrt in Meran im Jahre 1931 – quasi die Enduro-Weltmeisterschaft – das muss ich als alter Geländesportler hier erwähnen. Die Technologie der Vierzylinder-Viertakter wurde leider an MV-Agusta verkauft, die damit Weltruhm erwarb und bis heute besitzt, während Gilera an Bedeutung verlor. In den sechziger Jahren baute man formschöne und „vernünftige“ Maschinen, wie die 150 Sport, die oben abgebildet ist. Heute werden unter der Marke Gilera Roller und Kleinkrafträder innerhalb des Piaggio-Konzerns verkauft. Ich kann hier keine nennenswerten Unterschiede zu asiatischen Fabrikaten erkennen, abgesehen vom höheren Preis. 

Einer der ältesten Motorradhersteller Deutschlands war NSU. Die Firma wurde 1886 in Neckarsulm gegründet und stellte zunächst Strickmaschinen und Fahrräder her. Im Jahr 1900 fertigte man die ersten Motorräder. Nach den Stückzahlen war NSU Mitte der fünfziger Jahre der größte Motorradhersteller der Welt. Aus dieser Epoche stammt auch die oben abgebildete NSU Supermax mit ihrem modernen 250ccm-Viertaktmotor. Eines der schönsten und innovativsten Autos aller Zeiten wurde ebenfalls von NSU gebaut. Es war der Ro 80 mit dem legendären Wankelmotor. Die Probleme, die NSU ereilten, können hier nicht erörtert werden, aber es ist schon merkwürdig, dass BMW Glas aufkaufte, Audi NSU schluckte und Mercedes Borgward übernahm. Betrachtet man die Innovativität, Qualität und Schönheit ihrer Produkte, hätte es eigentlich umgekehrt sein müssen.

Etwa 800 Oldtimer waren auf der AGRA zu sehen. 

Wankelmotor. Sachs kaufte die Patente von NSU. 

Wartburg 313-1 und 311 Coupé des VEB Eisenacher Automobilwerk

Karawan-Gespann mit weniger als 950 Kilogramm Gewicht: Trabant 600 mit Dübener Ei

Barkas B1000 Doppelachser neben Vorgänger Framo

Moskauer Varianten in Markkleeberg

Vorn mit Dreier-Sitzbank und richtig groß: Wolga M 22

Auch aus Gorki und noch größer: Wolga Gas 24-2

Wohnwagen und Wohnmobile haben heutzutage durch die aktuelle Pandemie wieder richtig Konjunktur. Menschen mit „Restintelligenz“ könnten eventuell schlussfolgern, dass Corona, bedingt durch Globalisierung, Migration und Massentourismus, nicht die letzte „Seuche“ gewesen sein könnte. Sollte uns das beunruhigen? – natürlich nicht! Globalisierung und damit ein massiver Verlust an staatlicher Souveränität und Sicherheit ist der Meinung einer mutmaßlichen Mehrheit nach „alternativlos“ – na gut. ….  Für mich ist wichtig festzustellen, dass es einst möglich war, mit Gespannen, die deutlich weniger als drei Tonnen wogen, einen schönen Camping-Urlaub zu verbringen. Heute wiegen einige der Zugmittel schon etwa zweieinhalb Tonnen. Ich sprach letztens mit dem DDR-Meister im Auto-Cross Frank Eißler. Er fuhr mit seinem Trabant 600 Gespann schon in den Sechzigern nach Bulgarien ans Schwarze Meer. Der Unterschied zu heute lag nicht nur im geringen Gewicht (deutlich unter einer Tonne), sondern auch darin, das der Urlaub bereits am ersten Reisetag begann. Man ließ sich für die Anreise schon eine Woche Zeit. Auch in der CSSR und in Ungarn gab es nette Orte, wo man entspannen konnte. Entspannt habe ich mich auch an diesem schönen Tag in Markkleeberg. Ich sah Fabrikate, die ich noch nie gesehen hatte, traf Freunde und schwelgte in positiven Erinnerungen, wie die meisten dort auf der AGRA.

 


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